Rolando Matos, einer unserer besonders engagierten Absolventen des Studiengangs Medical and Pharmaceutical Biotechnology am IMC Krems, treibt als Senior Bioprocessing Scientist die Entwicklung automatisierter und datengesteuerter Bioprozesse voran.
Story
Wo Biotechnologie auf digitale Innovation trifft

Bachelor in Krems – Master in Barcelona – PhD in Surrey
Rolando Matos ist Senior Bioprocessing Scientist und arbeitet an der Schnittstelle von Biotechnologie, Digitalisierung und Automatisierung. Sein Weg in dieses hochentwickelte Feld begann mit seinem Bachelorstudium in Medical and Pharmaceutical Biotechnology an der IMC Krems University of Applied Sciences.
Unser Interview mit dem erfolgreichen Forscher Rolando Matos
„Dank der Möglichkeiten, die sich mir in meinem Praktikumssemester boten, wurde ich erstmals mit der Welt der Forschung vertraut. Das motivierte mich, meiner Neugier zu folgen und komplexe biologische Systeme zu erforschen. Dies führte mich nach Barcelona, wo ich Neurowissenschaften studierte, Forschungsprojekte zu Gentherapien unterstützte und praktische Erfahrung mit modernen therapeutischen Ansätzen sammelte. Die Arbeit an der Schnittstelle zwischen Biologie und neuen Technologien weckte mein starkes Interesse daran, wie komplexe Systeme verstanden und konstruiert werden können.
Obwohl ich die Arbeit in der Neurobiologie und Gentherapieforschung sehr schätzte, erkannte ich, dass meine eigentlichen Stärken und langfristigen Interessen im technischen und interdisziplinären Problemlösen liegen. Daher verlagerte ich meinen Fokus auf Biomaterialien und Tissue Engineering, wo ich ingenieurwissenschaftliche Prinzipien besser mit biologischen Anwendungen verbinden konnte.
Im Laufe meines akademischen und beruflichen Weges hatte ich das Glück, ein starkes Netzwerk inspirierender Mentor*innen und Kolleg*innen aufzubauen. Dies ermöglichte mir schließlich die Chance, an der University of Surrey einen PhD im Bereich Herz Kreislauf Erkrankungen, Tissue Engineering und ex vivo Modellentwicklung zu absolvieren.
Aufbauend auf den soliden Grundlagen meines Bachelorstudiums habe ich meine Fähigkeiten in interdisziplinärer Forschung weiterentwickelt und komplexe wissenschaftliche Herausforderungen zunehmend selbstbewusst bewältigt – was mich letztlich zu meiner heutigen Position bei Cell and Gene Therapy Catapult führte.“
Hochwertige Bioprozesse und digitale Zwillinge
Heute spezialisiert sich Rolando auf Process Analytical Technologies (PAT) und Automatisierung in der Zell- und Gentherapieherstellung. Er arbeitet mit komplexen Datensätzen, entwickelt Prozessmodelle und setzt digitale Zwillinge ein, um effizientere, vorhersehbarere und qualitativ hochwertige Bioprozesse zu ermöglichen.
Eine besondere Stärke von Rolandos Arbeit ist seine Fähigkeit, komplexe Themen disziplinübergreifend verständlich zu vermitteln. In internationalen, multidisziplinären Teams bringt er unterschiedliche Expertisen zusammen und entwickelt innovative Lösungen für die anspruchsvollen Bereiche der Advanced Therapy Herstellung.
Rolando beschreibt sein Studium am IMC Krems als Fundament seiner beruflichen Laufbahn: praxisnahe Laborarbeit, internationale Perspektiven und ein starker Forschungsfokus bereiteten ihn hervorragend auf eine Karriere an der Spitze der Biotechnologie vor.
Sie arbeiten intensiv mit Digitalisierung, Automatisierung und digitalen Zwillingen. Was motiviert Sie dazu, sich auf diese Technologien zu fokussieren, und wie verändern sie die Bioprozessierung heute?
Meine Motivation, mich auf Digitalisierung, Automatisierung und digitale Zwillinge zu konzentrieren, ergibt sich aus der zunehmenden Bedeutung – und Komplexität – von Daten in der Bioprozessierung. Moderne Bioprozesse erzeugen enorme, multidimensionale Datensätze aus Sensoren, Analysewerkzeugen und biologischen Auswertungen. Ohne strukturierte Automatisierung und Datenintegration lassen sich diese Informationen jedoch nur schwer interpretieren und nutzen. Automatisierung ermöglicht die zuverlässige Erfassung hochwertiger, nachvollziehbarer Daten und bildet damit die Grundlage für fortgeschrittene Modellierungs- und Lernansätze. Digitale Prozessabbildungen ermöglichen ein besseres Verständnis biologischer Komplexität und unterstützen datenbasierte Entscheidungen in Entwicklung und Produktion.
Darüber hinaus verändern diese Technologien die Bioprozessierung grundlegend: Sie ermöglichen Standardisierung, Skalierung und eine bessere Zugänglichkeit fortgeschrittener Therapien. Besonders in der Zell- und Gentherapie sind Automatisierung und digitale Zwillinge entscheidend, um Herausforderungen wie die Skalierung autologer Herstellungsprozesse zu bewältigen. Durch die Charakterisierung biologischer Systeme und die Entwicklung übertragbarer digitaler Zwillinge werden Prozesse robuster gegenüber patientenspezifischer Variabilität und vorhersagbarer hinsichtlich der Batch Qualität. Dies kann Kosten erheblich senken, Zuverlässigkeit steigern und lebensrettende Therapien für mehr Patient*innen zugänglich machen.
Welche Entwicklungen in der Zell- und Gentherapie sind Ihrer Meinung nach in naher Zukunft besonders vielversprechend?
Die vielversprechendsten Entwicklungen in der Zell- und Gentherapie betreffen die Skalierbarkeit und breitere Anwendbarkeit – insbesondere im Bereich personalisierter und autologer Behandlungen. Mit dem Fortschritt des Feldes wächst das Interesse an skalierbaren Herstellungsansätzen und verteilten Produktionsmodellen, die patientenspezifische Anforderungen erfüllen und gleichzeitig Kosten senken. Neue regulatorische Wege und technologische Innovationen – darunter allogene Ansätze, In vivo Gentherapien und optimierte Prozessanalytik – helfen, langjährige Hürden zu überwinden. Diese Trends versprechen, komplexe Therapien zugänglicher und für Gesundheitssysteme nachhaltiger zu machen.
Was waren Ihre Highlights in Krems?
Meine Zeit in Krems war ein echtes Highlight – die Umgebung förderte Neugier, offenen Austausch, ein internationales Umfeld und praxisorientiertes Lernen. Viele der Menschen, die ich dort kennengelernt habe, gehören auch heute noch zu meinen engen Freund*innen.
