Neue Technologien entstehen nicht im Konferenzraum eines Unternehmens. Sie entstehen oft Jahre früher in Laboren und Forschungseinrichtungen. Die eigentliche Herausforderung beginnt danach: Wie schaffen es innovative Entwicklungen in die Praxis? Genau an dieser Schnittstelle arbeitet IMC Krems-Absolventin Magdalena Böck. Als Geschäftsführerin der Berliner Adalogic GmbH sorgt sie dafür, dass aus Forschung konkrete Lösungen für Unternehmen werden.
Story
Wie Forschung ihren Weg in die Praxis findet

Wenn Magdalena Böck über Innovation spricht, spricht sie nicht zuerst über künstliche Intelligenz, Digitalisierung oder neue Technologien. Sie spricht über Anwendbarkeit.
Denn viele Forschungsergebnisse verfügen über enormes Potenzial, schaffen den Sprung in den Markt jedoch nie. Genau hier setzt ihre Arbeit an: Als Geschäftsführerin der Adalogic GmbH begleitet sie die Überführung wissenschaftlicher Entwicklungen in marktfähige Produkte und Lösungen für Unternehmen. Der Fokus liegt dabei vor allem auf dem deutschen Mittelstand, der häufig nicht über eigene Forschungsabteilungen verfügt, aber dennoch innovativ und wettbewerbsfähig bleiben muss.
„Forschung ist kein Selbstzweck. Sie entfaltet ihren Wert erst dann, wenn Unternehmen und Gesellschaft tatsächlich davon profitieren können“, beschreibt Magdalena Böck die Überzeugung, die ihre tägliche Arbeit prägt.
Vom IMC Krems nach Berlin
Nach ihrem Studium des Diplom-Studiengangs Export-oriented Management (jetzt International Business and Economic Diplomacy) am IMC Krems zog es die Oberösterreicherin beruflich nach Deutschland.
Heute lebt sie mit ihrer Familie in Berlin, das längst zu ihrem Lebensmittelpunkt geworden ist. Besonders schätzt sie den Wissenschafts- und Technologiepark Berlin-Adlershof, einen der bedeutendsten Innovationsstandorte Europas mit einer einzigartigen Verbindung aus Forschungseinrichtungen, Technologieunternehmen und Start-ups. Dort befindet sich auch der Sitz von Adalogic und der Mutterorganisation GFaI e.V..
Ihr eigener Karriereweg führte sie über internationale Vertriebs- und Business-Development-Positionen bis an die Spitze von Adalogic. Bereits früh bewegte sie sich in einem Umfeld, in dem technologische Innovation, internationale Märkte und wirtschaftliche Umsetzung eng miteinander verbunden sind. Seit 2021 trägt sie die Gesamtverantwortung für das Unternehmen und dessen strategische Weiterentwicklung.
Die Brücke zwischen Forschung und Wirtschaft
Adalogic ist eine hundertprozentige Tochter der Gesellschaft zur Förderung angewandter Informatik (GFaI e.V.), einer der größten außeruniversitären Forschungseinrichtungen für angewandte Informatik in Deutschland. Seit mehr als drei Jahrzehnten entwickelt die GFaI Technologien und Lösungen für unterschiedlichste industrielle Anwendungsfelder.
Die Aufgabe von Adalogic besteht darin, diese Forschungsergebnisse in Produkte und Anwendungen zu übersetzen, die Unternehmen unmittelbar nutzen können. Dazu gehören Lösungen für Robotik, industrielle Bildverarbeitung, Werkstoffanalyse, Produktionsplanung oder Wissensmanagement. „Viele Unternehmen haben weder die Ressourcen noch die Zeit, selbst Forschung zu betreiben. Wir helfen dabei, wissenschaftliche Erkenntnisse so aufzubereiten, dass sie unmittelbar Mehrwert schaffen und reale Herausforderungen lösen.“
Diese Rolle als Vermittlerin zwischen Wissenschaft und Wirtschaft sieht Magdalena Böck angesichts aktueller Entwicklungen als wichtiger denn je. Öffentliche Fördermittel werden knapper, Innovationszyklen kürzer und der internationale Wettbewerbsdruck steigt. Umso wichtiger sei es, Forschungsergebnisse rasch und zielgerichtet in die Anwendung zu bringen.
Innovation braucht mehr als gute Ideen
In Diskussionen über Innovation liegt der Fokus oft auf Forschung und Entwicklung. Weniger sichtbar ist der Transferprozess zwischen wissenschaftlicher Erkenntnis und wirtschaftlicher Umsetzung. Dabei gewinnt genau dieser Bereich zunehmend an Bedeutung. Auch in der deutschen Forschungs- und Innovationspolitik wird der Wissens- und Technologietransfer als zentrale Voraussetzung gesehen, damit wissenschaftliche Erkenntnisse Unternehmen und Gesellschaft erreichen können.
Magdalena Böck erlebt diese Herausforderung tagtäglich. „Es reicht nicht, eine hervorragende Technologie zu entwickeln. Man muss auch verstehen, welches Problem sie löst, welchen Nutzen sie schafft und wie sie in bestehende Prozesse integriert werden kann.“ Manchmal bedeutet das auch, Überzeugungsarbeit zu leisten, neue Partnerschaften aufzubauen und langfristig für die Bedeutung von Forschung und Innovation einzutreten.
International denken, komplexe Themen verständlich machen
Die Fähigkeit, unterschiedliche Perspektiven zusammenzubringen, begleitet Magdalena Böck bereits seit ihrem Studium. Die internationale Ausrichtung des IMC Krems, die Arbeit mit Menschen aus verschiedenen Kulturen sowie die Kombination aus wirtschaftlichem Denken und praxisnaher Ausbildung seien bis heute wertvolle Grundlagen ihres Berufslebens.
Besonders wichtig sei ihr dabei die Fähigkeit geworden, komplexe Zusammenhänge verständlich zu vermitteln. Eine Kompetenz, die sowohl im internationalen Vertrieb als auch an der Schnittstelle zwischen Forschung, Entwicklung und Wirtschaft entscheidend ist. „Man muss nicht alles selbst wissen. Aber man muss wissen, wie man die richtigen Menschen zusammenbringt, die gemeinsam Lösungen entwickeln können.“
Unser Interview mit Magdalena Böck
Frau Böck, viele Unternehmen sprechen über Innovation. Wo sehen Sie aktuell die größte Herausforderung?
Ich glaube, die Herausforderung liegt darin, dass man erkennen muss: Es reicht nicht, sich Innovation auf die Fahne zu schreiben. Also zu sagen, wir sind ab jetzt innovativ, dann wird das schon. In Wahrheit ist Innovation das Ergebnis vieler Komponenten. Vor allem braucht man Geduld, in der Regel wahnsinnig viel Geduld. Das ist in unserer kapitalistisch-ausgelegten Welt die schwierigste Komponente von allen: sich mit etwas beschäftigen zu dürfen, das nicht sofort fertig ist und Geld abwirft. Das vielleicht nie welches abwirft – aber wenn doch, dann richtig.
Hinzu kommt: Man denkt bei Innovation gleich an das ganz große Ding, den nächsten bahnbrechenden Durchbruch. Dabei vergessen wir, dass man auch in vielen kleinen Schritten und Dingen innovativ sein kann. Ich glaube, das Wagnis einzugehen, etwas anzufangen, wo es anfangs mehr Gründe gibt, warum es nicht klappen wird und trotzdem dranzubleiben, das ist die größte Herausforderung beim Thema Innovation.
Sie arbeiten täglich an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. Was fasziniert Sie daran besonders?
Wissenschaft, so wie sie bei der GFaI gelebt wird, ist eigentlich eine Art von Produktentwicklung. Das macht mir unfassbar viel Spaß. Nicht "nur" ein Produkt zu verkaufen, sondern aktiv daran mitzuwirken, wie dieses Produkt dann aussieht und ausgestaltet ist. Das ist das Spannende an dieser Schnittstelle: Als Business-Mensch, was ja meine Vita schon seit der HAK maßgeblich prägt, komme ich aus einer ganz anderen Logik als die Wissenschaftlerinnen, mit denen ich täglich zu tun habe. Die denken oft vom Inhalt her, von der Frage "was ist technisch oder inhaltlich möglich und richtig", während ich eher frage: "was braucht der Markt, was funktioniert wirtschaftlich". Genau in dieser Reibung zwischen den beiden Logiken zu vermitteln, das ganz anders Ausgerichtete zu verstehen und trotzdem gemeinsam zu einem Produkt zu kommen – das ist für mich das eigentlich Faszinierende daran.
Was macht Adalogic?
Adalogic überführt Ergebnisse aus der angewandten Forschung in marktfähige Produkte und Lösungen. Dazu analysiert das Unternehmen Forschungsergebnisse, Marktpotenziale und konkrete Bedarfe. Auf dieser Basis entwickelt Adalogic Produktkonzepte und Strategien für deren Positionierung. Darüber hinaus übernimmt Adalogic Marketing und Vertrieb sowie, wo erforderlich, das Business Development. So bringt das Unternehmen innovative Lösungen in den Markt und macht sie insbesondere für den Mittelstand nutzbar. Im Fokus stehen dabei Digitalisierung, Automatisierung und Prozessoptimierung.
Anwendungsbereiche
- Robotik und Automatisierung
- Produktions- und Fabrikplanung
- Industrielle Bildverarbeitung
- Werkstoff- und Qualitätsanalyse
- Wissensmanagement und Fehlerdiagnose
