Was haben internationale Verhandlungen, diplomatisches Protokoll und der IMC-Hörsaal gemeinsam? Bei unserem Absolventen Pascal Mittermayer lautet die Antwort: gelebte Praxis.
Story
Vom Hörsaal in die internationale Diplomatie

Pascal absolvierte den englischsprachigen Master-Studiengang International Business and Economic Diplomacy am IMC Krems und ist heute international tätig – unter anderem als Special Advisor für mehrere OSZE-Vorsitze. Seit 2024 gibt er sein Wissen als nebenberuflicher Lektor in seinem ehemaligen Studiengang an Studierende weiter.
Internationale Karriere mit starkem IMC-Fundament
Nach seinem Studium am IMC Krems, das er 2022 erfolgreich abschloss, führte Pascals beruflicher Weg rasch auf die internationale Bühne. Seit mehr als dreieinhalb Jahren arbeitet er in einem hochpolitischen multilateralen Umfeld.
Seit 2024 berät er die OSZE-Vorsitze Maltas (2024), Finnlands (2025) und der Schweiz (2026) zu wirtschaftlichen, ökologischen und sicherheitspolitischen Fragestellungen – im engen Austausch mit 57 teilnehmenden Staaten sowie internationalen Organisationen, dem Privatsektor und zivilgesellschaftlichen Akteuren.
Was ihn dabei auszeichnet:
- starke internationale Ausrichtung
- tägliche Arbeit in multilateralen und multikulturellen Kontexten
- ausgeprägtes Verständnis für Diplomatie, Hierarchien und kulturelle Codes
Genau diese Erfahrung bringt er heute zurück an seine Alma Mater.
Alumni als Lehrende: Praxis, die im Hörsaal ankommt
Als Lektor für Diplomatic Protocol im Master-Studiengang International Business and Economic Diplomacy verbindet Pascal Theorie mit realen Einblicken aus der internationalen Praxis.
In seiner Lehrveranstaltung geht es unter anderem um modernes diplomatisches Protokoll und Etikette, interkulturelle Kommunikation und Kompetenz, die Rolle und Bedeutung von Hierarchien, Regeln und sozialen Codes und konkrete Auswirkungen von Auftreten, Umgangsformen und Protokoll in internationalen Kontexten.
Für Studierende bedeutet das: Lernen von jemandem, der täglich in genau diesem Umfeld arbeitet – und für den das IMC Krems selbst ein wichtiger Ausgangspunkt war.
Warum „Alumni als Lehrende“ für das IMC Krems so wertvoll sind
Absolventinnen und Absolventen wie Pascal, die als Lektorinnen und Lektoren zurückkehren, stehen exemplarisch für das IMC-Modell: ein Studium mit starkem Praxisbezug, internationale Karrierewege und dem Wissenstransfer zurück an die Hochschule.
Sie zeigen Studierenden konkret, wohin ein IMC-Studium führen kann – und machen Lehre greifbar und aktuell. Oder anders gesagt: Wenn Alumni lehren, schließt sich der Kreis.
Drei Fragen an Pascal Mittermayer
Wie hat Sie Ihr Studium „International Business and Economic Diplomacy“ am IMC Krems konkret auf Ihre heutige internationale Tätigkeit vorbereitet?
Mein Studium am IMC Krems hat mich auf vielfältige Weise auf meine heutige Arbeit vorbereitet, nicht nur fachlich, sondern insbesondere durch die praktische Anwendung von Soft Skills in einem internationalen Umfeld.
Die Basis bildete dabei ganz praktisch Englisch als Arbeits- und Studiumssprache. Der tägliche Umgang mit der Sprache in Vorlesungen, Gruppenarbeiten und Präsentationen sowie die akademische Auseinandersetzung mit komplexen Fachinhalten haben mir die Sicherheit gegeben, die es heute in multilateralen Verhandlungen oder bei der Erstellung von Dossiers braucht. Ebenso prägend war der Umgang mit Zeit als «kritischem» Faktor und der Fokus aufs Wesentliche: Heute, wo im Berufsalltag oft unter Zeitdruck Positionspapiere für Minister oder internationale Verhandlungen verfasst werden müssen, merke ich, wie hilfreich das Studium war – nicht nur durch das übermittelte Fachwissen, sondern besonders durch die Fähigkeit, komplexe Inhalte verständlich, konzise und zielgerichtet zu kommunizieren.
Besonders prägend waren für mich auch die internationalen und multikulturellen Teams, Kommilitonen aus Ungarn, Pakistan, Indien oder Australien, die unterschiedliche Perspektiven und Arbeitsweisen mitbrachten. Dabei lernt man, gemeinsame Prioritäten zu identifizieren und Lösungen zu entwickeln, die für alle funktionieren, eine Fähigkeit, die ich heute täglich in meiner Arbeit mit 57 OSZE-Mitgliedstaaten anwende.
Das Studium am IMC Krems hat bei mir auch eine tiefgreifende «Neugierde» gefördert, nicht nur akademisch, sondern auch kulturell und intellektuell. In einer Zeit, in der KI mittlerweile immer mehr Routineaufgaben wie Recherche, Datenzusammenfassung oder Berechnungen übernimmt, wird genau diese Neugierde und das Verständnis für komplexe Zusammenhänge immer wichtiger.
Maschinen können Fakten liefern, Arbeitsschritte können automatisiert werden, doch die Verantwortung für Entscheidungen, das kritische Hinterfragen von Informationen, das Verstehen von Kontexten und die Fähigkeit, Brücken zwischen unterschiedlichen Welten zu schlagen, bleiben unersetzbare menschliche Stärken. Gerade in der internationalen Diplomatie, wo es oft keine klaren Lösungen gibt, sondern Abwägungen, Kompromisse und kreatives Denken gefragt sind, erweise sich diese Fähigkeiten als entscheidend.
Sie unterrichten heute Diplomatic Protocol: Welche Erfahrungen aus Ihrem Berufsalltag fließen direkt in die Lehrveranstaltung ein – und warum ist das für Studierende besonders wertvoll?
In unserer Lehrveranstaltung Diplomatic Protocol bringen wir Studierenden nicht nur theoretische Grundlagen näher, sondern versuchen, vor allem durch echte Praxisbeispiele eine kritische Auseinandersetzung mit Themen zu fördern, die uns durch die immer zentraler werdende Rolle von Medien präsentiert werden – und das ist der größte Mehrwert für die Studierenden.
Klassische Beispiele sind dabei Staatsbesuche von US-Präsidenten. Hier können wir analysieren, wie Protokollregeln in der Realität angewendet – oder auch (bewusst) gebrochen – wurden, und welche politischen und diplomatischen Konsequenzen das haben könnte. Noch wertvoller sind aber Erfahrungen und Beispiele aus dem eigenen Berufsalltag, die nicht in Lehrbüchern stehen. Situationen in denen es keine klare „Best Practice“ gibt, in denen improvisiert werden muss und Kreativität gefordert ist.
Diese Herausforderungen teilen wir mit Studierenden, nicht als fertige „one-size-fits-all“-Lösungen, sondern als (zum Teil provokante) Denkanstöße. Wir arbeiten dann gemeinsam an fiktiven, aber realistischen Szenarien, um Problemlösungsfähigkeiten zu trainieren. Das ist besonders wertvoll, weil die Studierenden so den Nutzen von Flexibilität und Kreativität, gepaart mit intellektueller und kultureller Neugierde direkt in Wert setzen können, und verstehen, dass Diplomatie oft kein starres Regelwerk, sondern ein dynamischer Prozess ist, der Anpassungsfähigkeit erfordert.
Was bedeutet es für Sie persönlich, als Absolvent an das IMC Krems zurückzukehren und Studierende auf ihrem Weg in internationale Karrieren zu begleiten?
Als ich selbst am IMC Krems studiert habe, hätte ich nicht erwartet, innerhalb so kurzer Zeit vom Privatsektor in der multilateralen Welt zu wechseln, ganz zu schweigen davon, Diplomatic Protocol zu unterrichten. Damals war mein Karriereweg, geprägt durch meine vielfältigen Projekte im Privatsektor, noch völlig offen. Genau das macht es für mich heute so besonders, als Lektor zurückzukehren.
Mein eigenes Interesse für internationale Diplomatie und Politik war seit jeher stark präsent, aber durch den fehlenden direkten Kontext nicht wirklich „greifbar“. Das hat sich allerdings während des Studiums, unter anderem durch das Fach Diplomatic Protocol, sowie durch die Pandemie und den spürbaren, direkten „Impact“ globaler Zusammenhänge weiter verstärkt. All das vertiefte mein Interesse, mich mit multilateraler Zusammenarbeit und globalen Herausforderungen zu beschäftigen.
Dass ich heute genau in diesem Kontext arbeiten darf, und genau dieses Fach unterrichte, und damit vielleicht ebenso bewusst oder unbewusst den einen oder anderen Studierenden inspirieren kann, einen ähnlichen Weg einzuschlagen, ist für mich eine große Ehre und Freude.