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Standardisierung als neuer Schlüssel im Technologietransfer

IMC Krems startet EU-gefördertes Forschungsprojekt „HELIX“ 

Wie können wissenschaftliche Erkenntnisse schneller, wirksamer und nachhaltiger in Wirtschaft und Gesellschaft ankommen? Mit dieser Frage befasst sich das neue Forschungsprojekt „HELIX – Wissensvalorisierung durch Standards und Normen“ am IMC Krems. Unter der Leitung von Prof.(FH) Dr. Alfred Radauer, Institutsleiter Business and Innovation und Studiengangsleiter Management am IMC Krrems, untersucht das interdisziplinäre Team, wie Normung und Standardisierung als bislang wenig beachteter Kanal den Technologietransfer entscheidend verbessern können.
Gefördert wird HELIX vom Land Niederösterreich im Rahmen der Wirtschafts- und Tourismusförderung, kofinanziert durch die Europäische Union aus dem EFRE-Programm.
 

(c) AdobeStock;CrazyCloud; Mit dem EU-geförderten Projekt HELIX erforscht das IMC Krems unter Leitung von Prof.(FH) Dr. Alfred Radauer, wie Normen und Standards als strategische Werkzeuge den Technologietransfer beschleunigen und Forschung nachhaltiger in Wirtschaft und Gesellschaft verankern können.

Normen – der unterschätzte Innovationsmotor

Standardisierung – also der Prozess mit denen Dinge wie die Abmessungen eines DIN A4-Blattes, die Form von Steckern wie USB-C aber auch Managementstandards wie ISO-9001 – wird häufig als rein technischer Prozess verstanden. Die Bedeutung des Prozesses, wie Standards entstehen und welche Rolle sie für einen Innovationserfolg haben, wird dabei häufig in der wissenschaftlichen Forschung unterschätzt. 
HELIX setzt genau hier an: Standards und Normen können – richtig eingesetzt – Forschungsergebnisse marktfähig machen, Innovationen beschleunigen und ihre gesellschaftliche Wirkung vergrößern. Dies ergibt sich daraus, dass Normen sicherstellen, dass z.B. unterschiedliche Geräte bei Einhaltng entsprechender Normen miteinander kommunizieren können oder dass minimale, nachprüfbare Sicherheitsvorgaben für neue Produkte und Dienstleistungen existieren. Daher muss der Entwicklung von Normen während des Entwicklung einer neuen Innovation auch entsprechendes Augenmerk gegegeben werden.  „Wir wollen zeigen, dass Normung und Standardisierung nicht nur Spezifikationen oder im Zusammenspiel mit der Gesetzgebung etwaig Vorschriften schaffen, sondern strategische Instrumente sind, um Wissen in marktreife Anwendungen zu überführen“, erklärt Alfred Radauer.

Das Projekt richtet sich insbesondere an Forschungsaktivitäten in den Technologie-Reifegraden (TRL) 2 bis 4 – also an die frühe Phase zwischen Grundlagenforschung und angewandter Entwicklung. Dabei stehen die Themenfelder Umwelt, Klima & Ressourcen sowie Medizin & Gesundheit im Vordergrund. Im Fokus stehen weiters Forscher/innen an Hochschulen und außeruniversitären Einrichtungen, deren Performance traditionell an der Zahl wissenschaftlicher Publikationen gemessen wird, und nicht unbedingt an der Mitwirkung in Normungsgremien. Es gilt, zu eruieren, inwieweit die Beteiligung dieser Forscher/innen an Normungsaktivitäten verbessert werden kann, und mit welchen Motiven und Herausforderungen Forscher/innen bereits jetzt sich an Normungsprozessen beteiligen. 

Forschung mit internationaler Strahlkraft

Das IMC Krems zählt bereits zu den anerkannten europäischen Akteuren im Bereich der „Standardisation Research“. So war das Team um Alfred Radauer maßgeblich an einer EU-weiten Scoping-Studie beteiligt, deren Ergebnisse Eingang in strategische Empfehlungen für den gesamten Europäischen Forschungsraum fanden, wie sich, auch bei bestehenden Wissenslücken, Forschungseinrichtungen und Hochschulen hinsichtlich der Standardisierung positionieren sollen . Hier steht auch im Raum, dass wer immer Standards maßgeblich gestaltet meist auch bessere Aussichten darauf hat, die dahinter liegenden Märkte zu kontrollieren – dementsprechend ist das Thema Normen und Standards sowohl in der EU, als auch z.B. in den USA oder in China, von hoher politisch-strategischer Relevanz . Mit HELIX sollen nun das internationale Standing der IMC in diesem Themenfeld weiter gestärkt, das Wissen rund um Normung mit Hochschul- und Forschungseinrichtungsbeteiligung erhöht, wesentlich strategische Inputs für die Ausgestaltung der europäischen Innovationspolitik geliefert und schlussendlich Niederösterreich auch als „Best-Practice-Region“ für Normungsforschung etabliert werden.

Konkrete Ziele des Projekts

HELIX verfolgt mehrere Schwerpunkte:

  • Erhebung von Daten zu Umfang, Motiven und Barrieren der Beteiligung  Forscher*innen an Standardisierungsprozessen, mit Fokus Niederösterreich.
  • Weiterentwicklung von Handlungsempfehlungen für Universitäten und Forschungseinrichtungen zur besseren Nutzung von Normung im Technologietransfer.
  • Stärkung der Sichtbarkeit Niederösterreichs als Innovations- und Wissenschaftsstandort im Bereich Standardisierung.

Beitrag zu zentralen Zukunftsthemen

Normen sind letztlich ein Querschnittsthema und spielen eine Schlüsselrolle in Bereichen wie Kreislaufwirtschaft, Reduktion von Treibhausgasen und Digitalisierung. Durch eine gezielte Einbindung des Wissenschaftssektors in die Standardisierung können Innovationen in diesen Feldern schneller und effizienter verbreitet werden – mit positiven Effekten auf Wirtschaftswachstum, Beschäftigung und Nachhaltigkeit.
„Mit HELIX können wir nicht nur die Forschungspraxis verbessern, sondern auch ganz konkret zur Wettbewerbsfähigkeit von Niederösterreich beitragen“, betont Radauer.