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Neue Polymere für die Analytik von morgen

Das POLYOLS-Projekt am IMC Krems entwickelt, unter der Leitung von Prof.(FH) Priv. Doz. Dr. Uwe  Rinner, funktionale Materialien aus biobasierten und recycelten Rohstoffen für moderne analytische Anwendungen

Nachhaltige Hochleistungswerkstoffe aus neuen Synthesewegen

Am Institut für Applied Chemistry des IMC Krems entsteht im Rahmen des Forschungsprojekts POLYOLS eine neuartige Klasse funktionaler Polymere. Ziel ist die Entwicklung leistungsfähiger Materialien auf Basis kostengünstiger aromatischer Grundstoffe sowie recycelter Abfallprodukte. Die Herstellung kombiniert biotechnologische Fermentationsprozesse mit etablierten organisch-chemischen Syntheseverfahren. Gefördert wird das Projekt vom Land Niederösterreich und kofinanziert durch die Europäische Union.
 

Uwe Rinner und Anna Malyshenko arbeiten im Projekt POLYOLS an der Entwicklung nachhaltiger, funktionaler Polymere für innovative Anwendungen in der Analytik.

Biotechnologie und Chemie im integrierten Prozess

Der zentrale Innovationsansatz des Projekts liegt in der Verknüpfung von mikrobieller Biotransformation und chemischer Weiterverarbeitung. Aromatische Ausgangsstoffe werden mithilfe ausgewählter Mikroorganismen in Cyclohexadienediol-Strukturen überführt, die anschließend zu Inositolen und deren Derivaten weiterentwickelt werden.
Diese polyhydroxylierten Molekülstrukturen zeichnen sich durch eine gezielt einstellbare Stereochemie sowie hohe Variabilität in der Funktionalisierung aus. Dadurch entsteht eine vielseitig modifizierbare Polymerbasis mit erhöhter thermischer und chemischer Stabilität.

Neue Materialien für anspruchsvolle analytische Anwendungen

Ein zentrales Anwendungsfeld der POLYOLS-Polymere liegt in der instrumentellen Analytik, insbesondere in der Hochleistungsflüssigkeitschromatographie (HPLC). Dort könnten sie als stationäre Phasen in Trennsäulen eingesetzt werden, etwa zur Analyse von Naturstoffen, pharmazeutischen Wirkstoffen oder Umweltkontaminanten.
Im Vergleich zu etablierten Materialien wie Cellulose bieten die neuen Polymerstrukturen eine erweiterte strukturelle Variabilität und damit potenziell verbesserte Selektivität. Besonders im Bereich chiraler Trennungen sowie komplexer Mischungen biologisch aktiver Substanzen wird ein hohes Anwendungspotenzial gesehen.

Drei Arbeitspakete von der Mikroorganismen-Fermentation bis zur Anwendung

Das Projekt ist in drei eng verzahnte Arbeitspakete gegliedert:

  • Fermentation aromatischer Ausgangsstoffe
    Im ersten Schritt werden aromatische Verbindungen durch Mikroorganismen in Cyclohexadienedioli umgewandelt. Neben etablierten Substraten wie Brombenzol werden auch aromatische Verbindungen mit funktionellen Seitenketten untersucht, um gezielt polymerisierbare Vorstufen zu erzeugen. Verschiedene Bakterienstämme, darunter etablierte Dihydroxygenase-Systeme, dienen zur Optimierung der Umsetzungen.
  • Synthese und Polymerisation von Inositolen
    Aufbauend auf den fermentativ gewonnenen Zwischenprodukten erfolgt die stereoselektive Synthese von Inositolen sowie deren Weiterverarbeitung zu Polymeren. Durch gezielte Reaktionsführung und Schutzgruppenstrategien kann die Stereochemie kontrolliert eingestellt werden. Die Polymerisation erfolgt unter anderem über metathesebasierte Verfahren.
  • Evaluierung in chromatographischen Systemen
    Die resultierenden Polymere werden in HPLC-Säulen eingesetzt und hinsichtlich ihrer Trenneigenschaften mit kommerziellen Standards verglichen. Ergänzend erfolgt eine Untersuchung der Wechselwirkungen mit Proteinen, um mögliche Anwendungen als selektive Sensormaterialien zu evaluieren.

Von der Grundlagenforschung zur anwendungsnahen Materialentwicklung

POLYOLS verfolgt einen integrierten Forschungsansatz, der biotechnologische und chemische Methoden systematisch verbindet. Im Fokus steht die Entwicklung funktionaler Materialien, die sowohl strukturell anpassbar als auch industriell relevant sind.
Die Ergebnisse könnten langfristig neue Impulse für die analytische Chemie, die pharmazeutische Qualitätskontrolle sowie die Umweltanalytik liefern – insbesondere dort, wo hohe Selektivität und Materialstabilität gefragt sind.