Pflegende Angehörige tragen einen wesentlichen Teil des österreichischen Gesundheitssystems – oft im Verborgenen und vielfach an der Grenze ihrer Belastbarkeit. Genau diesen Menschen widmet Stefanie Lentner ihre Forschung. Als Ergotherapeutin, wissenschaftliche Mitarbeiterin und PhD-Studentin am Institut Therapie- und Hebammenwissenschaften der IMC Hochschule für Angewandte Wissenschaften Krems (IMC Krems) verbindet sie wissenschaftliche Expertise mit langjähriger Praxiserfahrung, um neue Wege zur nachhaltigen Unterstützung pflegender Angehöriger zu entwickeln.
Presse
Mit Forschung gegen stille Überlastung

„Ich beschäftige mich mit informeller Pflege. Genauer interessiert mich, wie pflegende Angehörige ihren Alltag bewältigen, um zu verstehen, wie ihre Situation verbessert werden könnte – in einer Form, die evidenzbasiert und alltagstauglich ist“, sagt Lentner.
Was sie antreibt, ist nicht nur wissenschaftliche Neugier, sondern vor allem ihre langjährige Erfahrung als Ergotherapeutin in den Fachbereichen Neurologie und Pädiatrie. Besonders im Rahmen von Hausbesuchen erhielt sie tiefe Einblicke in den Alltag von Familien, die Pflege übernehmen – und in die oft enorme Belastung, die damit verbunden ist.
„Ich habe gesehen, wie viele Herausforderungen es gibt und wie wenig tatsächliche Unterstützung vorhanden ist. Ich finde es sehr wichtig, dass in diesem Bereich geforscht wird, um verbesserte Bedingungen zu schaffen.“
Forschung mit direkter gesellschaftlicher Wirkung
Im Mittelpunkt ihrer aktuellen Arbeit steht das Projekt selfCARE: Eine komplexe präventive Intervention zur Stärkung der Partizipation pflegender Angehöriger an bedeutsamen Aktivitäten. Ziel des Projekts ist es, die Unterstützung pflegender Angehöriger im österreichischen Gesundheitssystem nachhaltig zu verbessern.
Besonders innovativ ist dabei der Ansatz: Betroffene werden aktiv in die Forschung eingebunden. Gemeinsam mit pflegenden Angehörigen und weiteren Stakeholdern entwickelt Lentner eine Intervention, die sich an realen Bedürfnissen orientiert und präventiv ansetzt – also bevor Überlastung und gesundheitliche Folgen entstehen.
Im Fokus stehen sogenannte „bedeutsame Aktivitäten“ – Tätigkeiten, die Lebensqualität, Wohlbefinden und persönliche Identität stärken, im Pflegealltag jedoch oft in den Hintergrund geraten.
„Besonders spannend finde ich die Kraft von kleinen Änderungen“, sagt Lentner. „Oft können schon kleine Anpassungen große Auswirkungen auf Lebensqualität und Wohlbefinden haben.“
Die Forschungsarbeit verbindet systematische Literaturanalysen, nationale Befragungen und partizipative Fokusgruppen. Genau diese Kombination aus wissenschaftlicher Fundierung und praktischer Anwendbarkeit macht das Projekt besonders relevant.
Wissenschaft mit Haltung und Menschlichkeit
Für Stefanie Lentner bedeutet Forschung weit mehr als Theorie. Sie versteht Wissenschaft als Möglichkeit und Grundlage dafür, konkrete Verbesserungen für Menschen zu schaffen.
„Mir ist es wichtig, dass Forschung dort ankommt, wo die Ergebnisse tatsächlich gebraucht werden.“
Nach mehr als zehn Jahren in der direkten Patient*innenarbeit entschied sie sich bewusst für den Weg in die Wissenschaft. Nach dem Masterstudium Angewandte Gesundheitswissenschaften wechselte sie ins CROB-Projekt an der IMC Krems und begann 2026 ihr Doktorat am Institut für Pflegewissenschaft der Universität Wien.
Angetrieben wird sie von einem starken Gerechtigkeitssinn – und von Optimismus. „Ich denke, was mich wahrscheinlich am stärksten antreibt, ist Ungerechtigkeit. Gleichzeitig mein Optimismus – zu versuchen, Lösungen zu finden, um etwas zu ändern.“
Trotz aller wissenschaftlichen Präzision bleibt Lentner stark geerdet. Kraft findet sie mit ihrer Familie, bei ihrem Pferd, in der Natur, im Garten, im Wald oder in den Bergen. Vielleicht ist genau diese Verbindung aus Fachlichkeit, Empathie und Beharrlichkeit das, was ihre Forschung so besonders macht.
Über Stefanie Lentner
Stefanie Lentner, MSc (39) ist seit 2009 Ergotherapeutin in den Fachbereichen Neurologie und Pädiatrie. Durch ihre Arbeit im Rahmen von Hausbesuchen gewann sie tiefe Einblicke in die alltäglichen Herausforderungen pflegender Angehöriger. Nach dem Abschluss ihres Masterstudiums Angewandte Gesundheitswissenschaften im Jahr 2023 begann sie ihre Tätigkeit in der Forschung am IMC Krems. 2026 startete sie ihr Doktorat an der Universität Wien und forscht seither als PhD-Studentin am Institut Therapie- und Hebammenwissenschaften am IMC Krems.
Stefanie Lentner im Wordrap
- Forschung ist…neugierig zu bleiben.
- Forschungsarbeit ist für mich… gut zu planen, genau hinzusehen und zuzuhören; und natürlich Teamarbeit!
- Ein Vorbild für mich ist… eine Person, die „in ihrer eigenen Kraft steht“.
- Für die Zukunft wünsche ich mir… Forschung mit Wirkung.
- Die bisher größte Herausforderung meines Lebens…bleibt bestimmt privat.
- Inspiration finde ich…wenn ich mit meinen Kindern philosophiere.
- Morgens brauche ich…etwas Zeit mit mir alleine.
- Ich wäre gerne… etwas relaxter.
- Entspannung finde ich…in absoluter Ruhe.
- Stress baue ich am besten ab…indem ich in der Natur tief einatme.
- Schwierige Aufgaben meistere ich… Schritt für Schritt.
- Mein erster Berufswunsch als Kind war… Goldschmiedin.
- Angewandte Gesundheitswissenschaften habe ich studiert, weil… mich Forschung interessiert.
- Auf meinem Nachtkästchen liegt…ich hab kein Nachtkästchen.
- An Forschung spannend finde ich…Zusammenhänge zu entdecken und neue Perspektiven kennenzulernen.
- Mein Kraftplatz…ist der Pferdestall.