Story

KI verändert die Spielregeln. Menschen machen den Unterschied.

Seit mehr als 20 Jahren bei Microsoft erlebt IMC-Absolventin Maria Agnes Mayer technologische Umbrüche aus nächster Nähe. Die letzten Jahre verantwortete sie als Senior Director, Global Commercial Business Strategy & Go-to-Market die strategische und kommerzielle Ausrichtung eines milliardenschweren Geschäftsbereichs.

Seit September ist sie nach mehr als 10 Jahren wieder in Österreich. Im Interview spricht sie über Künstliche Intelligenz, globale Führung, Zukunftskompetenzen und darüber, warum gerade in Zeiten rasanter technologischer Veränderungen menschliche Fähigkeiten wichtiger denn je werden.

Maria Agnes Mayer
„Wenn sich die Welt um uns ständig verändert, aber klar bleibt, was Erfolg im Kern bedeutet, und wenn Lernen im Mittelpunkt steht – dann können Menschen und Unternehmen weiterhin Großes bewirken“, so Maria Agnes Mayer.

Künstliche Intelligenz verändert die Arbeitswelt. Doch welche Fähigkeiten werden künftig wirklich zählen?

Künstliche Intelligenz entwickelt sich derzeit vom Technologietrend zu einer grundlegenden Veränderung der Arbeitswelt. Unternehmen überdenken Prozesse, schaffen neue Rollen und stellen bestehende Arbeitsweisen auf den Prüfstand. Während viele über die Möglichkeiten neuer Technologien sprechen, beschäftigt sich Maria Agnes Mayer seit Jahren mit der Frage, wie Organisationen Wandel erfolgreich gestalten und Menschen auf diesem Weg mitnehmen können.

Unsere Absolventin des Diplom-Studiengangs Export-oriented Management (jetzt International Business and Economic Diplomacy) begann ihre Karriere zunächst im Consulting, bevor sie 2004 zu Microsoft wechselte. Was als Position im Marketing und Partnermanagement in Wien begann, entwickelte sich zu einer internationalen Laufbahn, die sie über zahlreiche Führungspositionen schließlich in die USA führte. Bis vor kurzem arbeitete sie in Redmond nahe Seattle im globalen Führungsteam eines der weltweit bedeutendsten Technologieunternehmen. 

Führung in einer Welt des permanenten Wandels

In den vergangenen zwei Jahrzehnten hat Maria Agnes Mayer zahlreiche technologische Veränderungen begleitet. Von großen Windows-Produktzyklen über die digitale Transformation von Unternehmen bis hin zu den aktuellen Entwicklungen rund um Künstliche Intelligenz war ihre Aufgabe stets dieselbe: Orientierung schaffen, Strategie und Umsetzung verbinden und Menschen hinter einer gemeinsamen Vision vereinen. 

Heute verantwortet sie die europäische Geschäftsstrategie und Markteinführung des milliardenschweren Windows- und Surface-Geschäfts für kommerzielle Kunden. Dabei arbeitet sie mit Vertriebsteams, Partnerunternehmen, Herstellern, Systemintegratoren und internationalen Führungskräften auf der ganzen Welt zusammen. Ihre besondere Stärke liegt darin, Markt- und Kundensignale frühzeitig zu erkennen, komplexe Zusammenhänge zu vereinfachen und Organisationen auf gemeinsame Ziele auszurichten. 

Diese Fähigkeit war besonders in Zeiten großer Veränderungen gefragt. So verantwortete sie unter anderem globale Go-to-Market-Strategien für das Windows-Ökosystem, begleitete Unternehmen und Partner durch tiefgreifende Marktveränderungen während und nach der COVID-Pandemie und leitete internationale Change-Management-Initiativen innerhalb von Microsoft. 

Technologie braucht Menschen

Wer Maria Agnes Mayers Karriere betrachtet, erkennt schnell einen roten Faden: Erfolg entsteht nicht allein durch Technologie. Entscheidend ist die Fähigkeit, Menschen, Organisationen und Partnernetzwerke in Bewegung zu setzen. In ihren bisherigen Funktionen leitete sie globale Teams an der Schnittstelle von Vertrieb, Marketing, Produktentwicklung und strategischer Planung. Dabei ging es immer wieder darum, Wachstum zu ermöglichen, neue Geschäftsmodelle erfolgreich einzuführen und internationale Zusammenarbeit über Länder- und Kulturgrenzen hinweg zu gestalten. 

Für viele Absolventinnen und Absolventen bietet ihre Laufbahn ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie wichtig neben fachlichem Wissen auch Anpassungsfähigkeit, Lernbereitschaft und interkulturelle Kompetenz geworden sind. Gerade im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz gewinnen diese Eigenschaften weiter an Bedeutung.

Mit globaler Perspektive zurück in Wien

Nach vielen Jahren in den USA hat Maria Agnes Mayer vor Kurzem gemeinsam mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern wieder ihren Lebensmittelpunkt nach Wien verlegt. Die internationale Perspektive bleibt dabei ein wesentlicher Teil ihres Lebens und ihrer Arbeit.

Die Rückkehr nach Österreich verbindet für sie das Beste aus zwei Welten: den engen Bezug zu Familie und Heimat sowie die tägliche Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen, Partnern und Führungskräften rund um den Globus. Sie steht damit exemplarisch für viele IMC-Absolventinnen und -Absolventen, die heute internationale Karrieren verfolgen und gleichzeitig ihre Wurzeln in Österreich bewahren.

Unser Interview mit Maria

Sie arbeiten seit vielen Jahren an der Spitze eines weltweit tätigen Technologieunternehmens. Künstliche Intelligenz verändert aktuell Wirtschaft und Gesellschaft in rasantem Tempo. Was bedeutet aus Ihrer Sicht ein verantwortungsvoller und wertschöpfender Umgang mit KI in Unternehmen?

Für mich bedeutet verantwortungsvoller KI-Einsatz vor allem, Technologie konsequent am Menschen auszurichten – sie soll Teams befähigen, nicht ersetzen, und Vertrauen sowie Transparenz müssen von Anfang an mitgedacht werden. In meiner Rolle erlebe ich täglich, dass Wertschöpfung entsteht, wenn KI-Strategie eng mit klarer Führung, sauberer Governance und einem „AI-first"-Mindset im gesamten Unternehmen verzahnt wird. Entscheidend ist außerdem, Mitarbeitende aktiv mitzunehmen und ihnen echte Kompetenzen zu vermitteln, statt Veränderung „top-down" zu verordnen.

Viele Studierende und Absolventinnen bzw. Absolventen fragen sich, welche Fähigkeiten in den kommenden Jahren besonders wichtig sein werden. Welche Kompetenzen brauchen Menschen im KI-Zeitalter, und welche Eigenschaften sollten IMC Krems Alumni aus Ihrer Sicht gezielt weiterentwickeln?

Mit KI wird Fachwissen per Knopfdruck (oder Prompt) verfügbar. Ich kenne PraktikantInnen, die sich Marketing-Strategie und Kampagnen-Planung selbst beibringen und anschließend KI-Tools so aufsetzen, dass diese die Umsetzung im Alltag übernehmen.

Damit ändert sich die Erwartung an Mitarbeitende: gefragt sind vor allem kritisches Denken, Lernbereitschaft, System- und Prozessdenken und die Fähigkeit, Menschen zusammenzubringen. Aus meiner Erfahrung würde ich IMC-Alumni raten, gezielt an Führungsqualitäten mit hoher emotionaler Intelligenz, Kommunikationsstärke und der Bereitschaft zu lebenslangem Lernen zu arbeiten. Wer zusätzlich lernt, Technologie als Denkpartner für strategische Entscheidungen zu nutzen – nicht als Denkersatz –, wird im KI-Zeitalter klar im Vorteil sein.

Nach vielen Jahren in den USA sind Sie mit ihrer Familie wieder nach Wien zurückgezogen. Wie haben Sie diesen Schritt erlebt, und welche Chancen eröffnet ein solcher Neustart für Familie, Karriere und persönliche Entwicklung?

Wir stecken gerade noch mittendrin. Der Schritt nach Hause hört sich zuerst nach Rückkehr zu Bekanntem an und wir haben ihn – geprägt von schönen Urlaubsbesuchen – vielleicht etwas romantisiert. Der Alltag ist aber etwas ganz anderes. Jetzt mitten in der Umstiegsphase – wir sind erst seit einigen Wochen wieder im Lande – standen zuerst die organisatorischen Herausforderungen auf dem Radar. 

Langsam zeigt sich aber, dass am Ende auch im Privaten der bewusste Umgang mit Änderung entscheidend ist – und dass alle Betroffenen, vor allem meine Kinder, mitgenommen werden. Mein Mann und ich haben den Luxus, beruflich ein familiäres Umfeld zu haben – das ist nicht selbstverständlich. Wichtig ist, sich bewusst Zeit zu nehmen: zur Ruhe zu kommen und alles Veränderte Schritt für Schritt zu verarbeiten. Das dämpft den Reverse-Culture-Schock – und macht daraus in drei, sechs oder neun Monaten wieder ein echtes Zuhause.

Wie gelingt es, in Zeiten großer Veränderungen Menschen hinter einer gemeinsamen Vision und Strategie zu vereinen?

KI hat den Zeitrahmen für Veränderungen massiv verkürzt. Viele denken, Planung und strategische Orientierung verlieren deshalb an Relevanz. Ich denke, genau das Gegenteil ist der Fall – nie haben Menschen und Unternehmen mehr Steuerung durch klare Zielsetzung benötigt. 

Es verändert sich wie man plant, nicht dass man plant: North Star setzen, Strategien wählen, in der Umsetzung flexibel bleiben und sich an konstante Veränderungen anpassen. Was dabei am wichtigsten ist, ist konsequente, präzise Kommunikation über Ziele und Fortschritt und ein starker Fokus auf Kultur und klare Erwartungen, damit Experimentieren und Lernen im Vordergrund bleibt und das Vertrauen in positive Veränderung erhalten bleibt.

Denn wenn sich die Welt um uns ständig verändert, aber klar bleibt, was Erfolg im Kern bedeutet, und wenn Lernen im Mittelpunkt steht – dann können Menschen und Unternehmen weiterhin Großes bewirken.

International Business and Economic Diplomacy