Von Krems in die internationale Biotech-Welt: Wie unser IMC Krems Absolvent Stefan Lichtenberger als Clinical Development Quality Lead klinische Studien prägt und sich im Biotech Alumni Board für die Studiengangsentwicklung engagiert – einer wertvollen Brücke zwischen unserer Hochschule und der Biotech-Industrie.
Story
Karriere-Kompass Biotech: Qualität schafft den Vorsprung

Stefan Lichtenberger hat am IMC Krems sowohl den Bachelor- als auch den Master-Studiengang in Medical and Pharmaceutical Biotechnology absolviert. Heute arbeitet er als Clinical Development Quality Lead bei Debiopharm in Lausanne und trägt Verantwortung dafür, dass klinische Studien höchsten Qualitäts- und Compliance-Standards entsprechen. Stationen bei Unternehmen wie Debiopharm (CH), BioNTech (DE), Johnson & Johnson (DE) oder Bio-Techne (UK) verdeutlichen eindrucksvoll, wie international gefragt die Expertise von IMC-Absolventinnen und -Absolventen ist.
Doch Stefan engagiert sich nicht nur beruflich für Qualität in der biomedizinischen Forschung. Als Mitglied des Biotech Alumni Boards bringt er seine Erfahrung und sein Netzwerk ehrenamtlich ein: Gemeinsam mit der Institutsleitung entwickelt er neue Impulse für die Weiterentwicklung der Studiengänge und sorgt dafür, dass die Perspektiven der Alumni aus der Industrie berücksichtigt werden.
„Das Biotech Alumni Board ist eine wertvolle Brücke zwischen Hochschule und Berufspraxis“, betont Stefan. „So stellen wir sicher, dass unsere Studiengänge immer am Puls der Zeit bleiben – sowohl wissenschaftlich als auch im Hinblick auf die Anforderungen der Unternehmen.“
Das Institut für Medizinische und Pharmazeutische Biotechnologie am IMC Krems gilt seit Jahren als Vorreiter für praxisnahe Studienprogramme und angewandte Forschung. Der enge Austausch mit der Industrie, die internationale Vernetzung sowie das Engagement von Alumni wie Stefan Lichtenberger tragen entscheidend dazu bei, diese Position kontinuierlich zu stärken.
Hinter die Kulissen geblickt mit Stefan Lichtenberger
Ihr Karriereweg führte Sie von Krems über internationale Stationen bis nach Lausanne. Was waren rückblickend die prägendsten Erfahrungen aus Ihrer Studienzeit am IMC Krems, die Sie heute noch begleiten?
Rückblickend sind es einige besondere Episoden aus meiner Studienzeit, die mich bis heute prägen. Zum einen verdanke ich Prof. Christian Klein in seiner damaligen Funktion als Bioinformatik-Vortragender dem folgenden Ansatz: „Lernt das Lernen. Das Verarbeiten von Informationen und wie und wo ihr diese findet. Auswendiglernen war gestern.“ Gerade im Qualitätsbereich mit einer Vielzahl an lokalen, nationalen und internationalen Regularien ist dieser Ansatz essenziell.
Zum zweiten hat mir das Bachelor-Praktikum geholfen, den akademischen Karriereweg bzw. einen PhD für mich persönlich auszuschließen. Ein klares Ziel für den späteren Werdegang zu haben, vereinfacht vieles – auch wenn sich dieses im Laufe der Jahre wandeln kann.
Prof. Andreas Eger hat mit seiner überspitzten Eröffnung zu seiner ersten Vorlesung im dritten Bachelor-Semester ebenfalls Eindruck hinterlassen. Er prophezeite uns, dass etwa die Hälfte von uns früher oder später entweder im Marketing oder im Qualitätsbereich landen würde. Damals haben wir gelacht, heute muss ich schmunzeln, denn er hatte recht. Mein erster Job nach dem Abschluss war zwar im Sales, und ich bin erst nach vier Jahren im Qualitätsmanagement gelandet, aber die Richtung stimmte.
Den nachhaltigsten Eindruck hinterließ jedoch Dr. Baumgartner von der AGES schlicht mit der Beschreibung des Berufs von Inspektoren und Auditoren. Damals hat es bei mir „Klick“ gemacht – und ich wusste, dass ich genau das machen wollte. Es dauerte knapp vier Jahre nach meinem Masterabschluss, aber schließlich hat es funktioniert.
Als Clinical Development Quality Lead bewegen Sie sich in einem hochregulierten Umfeld. Wie gelingt es Ihnen, Patientensicherheit, Forschungsexzellenz und unternehmerische Anforderungen miteinander zu vereinen?
Im klinischen Qualitätsmanagement sind mein Team und ich Partner der Studienteams – das ist die zentrale Botschaft. Gelegentlich wirkt es wie eine Sisyphusarbeit, denn QM wird gerne als „Polizei“ oder „Kompliziertmacher“ wahrgenommen, die immer Nein sagen, zusätzliche Bürokratie schaffen und sich hinter Paragrafen verstecken.
Doch auch Qualitätsmanagement verfolgt das Ziel, sichere Produkte mit echtem Nutzen für Patientinnen und Patienten auf Basis solider wissenschaftlicher Arbeit zu entwickeln. Qualität ist Teil der täglichen Arbeit – sie beschränkt sich nicht auf eine Abteilung, sondern ist die Verantwortung jedes Einzelnen. Wir sind die Partner für die bestmögliche Umsetzung.
Wenn dieser Gedanke verinnerlicht ist und der Mehrwert sichtbar wird, verlieren Begriffe wie „Audit“, „Abweichung“ oder „Risikomanagement“ ihren Schrecken. Im klinischen Umfeld gilt aber immer: Die oberste Priorität sind die Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer.
Sie engagieren sich im Biotech Alumni Board des IMC Krems. Was motiviert Sie zu diesem ehrenamtlichen Einsatz – und welchen Mehrwert sehen Sie für die Studierenden, die Alumni und die Hochschule?
Während unseres Studiums profitierten wir von einer gelungenen Kombination aus solider akademischer Grundlagenbildung und industrienahen, aktuellen Lehrinhalten. Dazu kamen ein hervorragend ausgestattetes Praxislabor sowie ein kompetenter und nahbarer Lehrkörper.
Schon damals habe ich erlebt, wie Alumni und ältere Studierende ihr Wissen an Jüngere weitergegeben haben – sei es durch Mentoring, Tipps für Studium und Praktika oder sogar durch Gastvorträge. Ich selbst habe diesem Input viel zu verdanken, etwa beim Feedback zu meinem ersten Lebenslauf oder durch die Chance auf mein Praktikum in Schweden.
Für mich ist es daher selbstverständlich, diesem Beispiel zu folgen und den Kreislauf aufrechtzuerhalten. Studierende erhalten durch Alumni-Einblicke häufig Perspektiven auf Bereiche der Industrie, die sie sonst vielleicht gar nicht in Betracht gezogen hätten. Die Hochschule wiederum gewinnt durch den kontinuierlichen Austausch mit Alumni wertvolles Feedback zu Branchentrends und Curriculums-Entwicklung. Ein echter „Win-Win-Win“ für alle Beteiligten.
Bachelor-Studiengang Medical and Pharmaceutical Biotechnology