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Forschung mit Haltung: Wissenschaft, die Menschen bewegt

Making women of IMC visible: Agnes Wilhelm über Neugier, Verantwortung und Forschung aus der Praxis

Zwischen dem Internationalen Tag der Frauen und Mädchen in der Wissenschaft am 11. Februar und dem Weltfrauentag am 8. März rückt das IMC Krems Forscherinnen in den Fokus, die Wissenschaft mit Haltung, Neugier und gesellschaftlicher Verantwortung gestalten. Eine von ihnen ist Assoz.-Prof.(FH) Agnes Wilhelm, MSc., Physiotherapeutin, Forscherin und Lehrende am IMC Krems. Ihr wissenschaftlicher Weg zeigt, wie Forschung aus der Praxis entsteht – und warum sie dort ihre größte Wirkung entfaltet, wo sie das Leben von Menschen konkret verbessert.

Assoz.-Prof.(FH) Agnes Wilhelm, MSc., forscht am IMC Krems zu Freezing of Gait bei Parkinson – mit dem Ziel, wissenschaftliche Erkenntnisse direkt in die physiotherapeutische Praxis zu übersetzen und die Lebensqualität von Patient*innen nachhaltig zu verbessern.

Wenn Erfahrung zur Forschungsfrage wird

Forschung beginnt für Agnes Wilhelm nicht am Schreibtisch, sondern im Kontakt mit Patient*innen. Ihr Schwerpunkt liegt auf Freezing of Gait (FOG) bei Personen mit idiopathischem Parkinsonsyndrom – einer plötzlich auftretenden Bewegungsblockade beim Gehen oder Drehen. Obwohl FOG im klinischen Alltag häufig ist, bleibt das Phänomen wissenschaftlich bislang unzureichend verstanden.
„Forschung ist für mich Neugierde“, sagt Wilhelm – verbunden mit dem Anspruch, offene Fragen systematisch zu beantworten. Ihr Interesse an FOG entwickelte sich aus ihrer langjährigen Tätigkeit in der neurologischen Rehabilitation und vertiefte sich über ihre Masterarbeit sowie erste Forschungsprojekte am IMC Krems. Besonders fasziniert sie das komplexe Zusammenspiel neurologischer Strukturen und dessen Auswirkungen auf Bewegungsverhalten, Alltagsbewältigung und therapeutische Entscheidungen.

Forschung mit konkretem Nutzen

Aktuell arbeitet Agnes Wilhelm an zwei Projekten zu Freezing of Gait. Im interdisziplinären Projekt „PreFOG“ werden mithilfe von Smart-Einlegesohlen Gangparameter erhoben und mittels maschinellen Lernens analysiert. Ziel ist es, Muster zu identifizieren, die eine frühzeitige Vorhersage von FOG-Episoden ermöglichen. Das Projekt wird gemeinsam vom Institut für Digitalisierung und Informatik und dem Institut für Physiotherapie am IMC Krems durchgeführt und durch den NÖ Wirtschafts- und Tourismusfonds sowie das EU-Programm IBW/EFRE & JTF gefördert.
Im zweiten Projekt „ID-FOG“, gefördert vom NÖGUS im Rahmen eines Dissertation Calls, untersucht Wilhelm, ob sich unterschiedliche FOG-Untergruppen mithilfe von Mobilitätstests und Fragebögen erfassen lassen. Ziel ist es, Assessmentmethoden weiterzuentwickeln und physiotherapeutische Entscheidungsprozesse evidenzbasiert zu stärken.
Beide Projekte verbindet ein klarer Anspruch: Forschung soll nicht abstrakt bleiben, sondern Patient*innen und Gesundheitsberufe konkret unterstützen.

Wissenschaft aus der Praxis heraus gedacht

Nach der Matura absolvierte Agnes Wilhelm die Akademie für Physiotherapie und arbeitete mehrere Jahre in der neurologischen Rehabilitation. Eine Auszeit in Neuseeland eröffnete ihr neue Perspektiven. 2013 begann sie als nebenberuflich Lehrende am IMC Krems und absolvierte parallel ihren MSc. Ihre wissenschaftliche Laufbahn entwickelte sich schrittweise aus klinischer Neugier und dem Wunsch, physiotherapeutische Praxis fundiert weiterzuentwickeln.
Seit 2019 lehrt und forscht sie hauptberuflich als assoziierte Fachhochschulprofessorin am IMC Krems, arbeitet weiterhin freiberuflich in Wien und absolviert derzeit ein berufsbegleitendes PhD-Studium an der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Salzburg.

Forschung als Dialog

Was Agnes Wilhelm antreibt, ist der Austausch mit Menschen – mit Betroffenen ebenso wie mit Studierenden und Kolleg*innen. Forschung versteht sie als Dialog zwischen Wissenschaft und gelebter Erfahrung. Auch in der Lehre ermutigt sie Studierende, kritisch zu denken und Fragen zu stellen. Denn gute Forschung entsteht dort, wo Interesse, Offenheit und Verantwortung zusammenkommen.
Frauen in der Wissenschaft: Vielfalt als Voraussetzung
Im Rahmen des Schwerpunktmonats „Frauen in der Wissenschaft“ spricht Agnes Wilhelm offen über notwendige Rahmenbedingungen: Frauen brauchen – wie alle Menschen – die Möglichkeit, ihre Stärken zu zeigen und sich frei von Vorurteilen weiterzuentwickeln. Ebenso zentral ist für sie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, unabhängig von individuellen Lebensmodellen.
Ihr Rat an junge Frauen und angehende Wissenschaftlerinnen ist klar: Interesse zeigen, Fragen stellen und den Dialog mit Betroffenen suchen. Denn Forschung sollte immer darauf abzielen, das Leben von Menschen zu verbessern. Vielfalt und unterschiedliche Perspektiven sind dabei keine Ergänzung, sondern eine Voraussetzung für gute Wissenschaft.

Über Agnes Wilhelm

Assoz.-Prof.(FH) Agnes Wilhelm, MSc. ist assoziierte Fachhochschulprofessorin im Institut für Physiotherapie am IMC Krems. Sie stammt aus dem Waldviertel, absolvierte dort ihre Ausbildung zur Physiotherapeutin und ist seit 2013 am IMC Krems tätig, seit 2019 hauptberuflich in Lehre und Forschung.
Ihre akademische Laufbahn umfasst den MSc Neurorehabilitationsforschung an der Universität für Weiterbildung Krems sowie das Psychotherapeutische Propädeutikum am Postgraduate Center Wien. Seit 2023 ist sie im PhD-Programm Medical Science an der PMU Salzburg eingeschrieben. Agnes Wilhelm ist zweifache Mutter und lebt mit ihrer Familie in Wien.
 

Drei Fragen – drei Antworten:

Warum haben Sie sich für die Wissenschaft entschieden?

Weil ich offene Fragen beantworten und Erkenntnisse schaffen möchte, die die therapeutische Arbeit und das Leben von Betroffenen verbessern.

Was brauchen Frauen in der Wissenschaft, um Erfolg zu haben?

Die Möglichkeit, ihre Stärken zu zeigen und an ihren Schwächen zu wachsen, frei von Vorurteilen oder Einschränkungen aufgrund ihres Geschlechts.

Haben Sie einen Rat für junge Frauen und angehende Wissenschaftlerinnen?

Zeigen Sie Interesse, stellen Sie aktiv Fragen und sprechen Sie auch mit Betroffenen, um zu verstehen, was für sie wichtig ist. Denn Forschung sollte sich positiv auf das Leben der Menschen auswirken.