Trockenheit, Ertragsreduktion, vorgezogener Lesestart: In einigen Weinbaugebieten hat die Ernte bereits Mitte August begonnen, deutlich früher als in vielen anderen Jahren. Die Folgen des Klimawandels sind für die europäische Weinwirtschaft 2026 deutlich spürbar – auch in Österreich ist die Situation teilweise drastisch. Wie die Branche auf die neuen Herausforderungen reagiert, haben wir Studierende, Alumni und Lehrende von International Wine Business gefragt.
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Ein Jahrgang unter Druck

Der Bachelor-Studiengang International Wine Business am IMC Krems beschäftigt sich unter anderem mit den Themen nachhaltiger Weinbau, Klimawandel und mit den Zukunftsszenarien der Weinwirtschaft. „Dabei verschränken wir die Theorie mit praktischem Unterricht im Weingarten“, erklärt Studiengangsleiter Albert Stöckl. Die Studierenden lernen zum Beispiel über die physiologischen Ursachen und sichtbaren Symptome von Trockenstress sowie dessen kurz- und langfristige Auswirkungen auf die Beerenentwicklung und das vegetative Rebwachstum. In der weinbaulich fokussierten Bodenkunde werden unter anderem Maßnahmen zur Verbesserung der Wasserspeicherung behandelt.
Entscheidend: der richtige Lesezeitpunkt
Eine Winzerin, die ihr International-Wine-Business-Studium bereits abgeschlossen hat, ist Anna van der Niepoort vom Weingut Dorli Muhr in Carnuntum – ein Weinbaugebiet, das selbst in durchschnittlichen Jahren zu den trockensten Österreichs zählt: „Am Spitzerberg sind wir karge und trockene Bedingungen gewohnt, aber dieses Jahr spüren wir sie besonders deutlich. Gleichzeitig startet die Lese voraussichtlich so früh wie selten zuvor. Das bringt eine zusätzliche organisatorische Herausforderung mit sich, weil viele Lesehelferinnen und Lesehelfer zu diesem Zeitpunkt noch im Urlaub sind.“
Auch in der Wachau ist die Wasserversorgung der Reben vielerorts angespannt, berichtet Simon Gattinger. Für den Winzer aus Unterloiben ist es jetzt entscheidend, „den optimalen Lesezeitpunkt zu finden, um Frische, Säurestruktur und Herkunftstypizität der Wachauer Weine zu bewahren.“
Bachelorarbeiten zu steigenden Alkoholgehalten und Unterstockmanagement
Wie österreichische Betriebe mit steigenden Alkoholwerten umgehen, damit beschäftigen sich im Studiengang sechs verschiedene Bachelorarbeiten: Höhere Temperaturen, mehr Sonnenstunden und häufigere Hitzeperioden beschleunigen nämlich die Zuckerbildung und den Säureabbau in den Trauben, während die optimale Aroma- und physiologische Reife nicht immer im gleichen Tempo erreicht wird.
Diese zunehmende Diskrepanz stellt Winzerinnen und Winzer bei der Wahl des optimalen Lesezeitpunkts vor Herausforderungen und zeigt sich unter anderem in immer früheren Ernteterminen. Auch das Thema Unterstockmanagement im Weinbau wird am IMC Krems untersucht, insbesondere mit der Unterstockbegrünung als Anpassungsmaßnahme an Dürre, Erosion und Spätfrost.
Kleinere Ernte durch Hitze und gezielte Ertragsreduktion
Schon jetzt ist klar: Die Lese startet 2026 in Österreich deutlich früher als in durchschnittlichen Jahren – und sie wird wahrscheinlich kleiner ausfallen als 2025. Die Beeren sind durch die Hitze vielerorts kleiner und dickschaliger. Durch gezielte Ertragsreduktion, um die Rebstöcke besser durch die Trockenperioden zu bringen, wurde die Menge nochmals reduziert.
In Krems geht Winzer und Alumnus Chris Sciacca von Kapitel Zwei Wine aber auch noch andere, mitunter neue Wege: „Uns fehlen hier in Krems rund 63 Millimeter Niederschlag im Vergleich zu durchschnittlichen Jahren. Um die Reben bestmöglich zu unterstützen, setze ich neben Ertragsreduktion und Begrünung zum Beispiel auf Schafwolle zur Wasserspeicherung in den Weingärten. Sie funktioniert wie ein Schwamm und kann das gespeicherte Wasser langsam wieder abgeben. Wenn der Boden trocken ist und es dann regnet, kann er das Wasser nämlich gar nicht schnell genug aufnehmen – es erreicht die Wurzeln der Rebstöcke nicht.“
Chris Sciacca unterrichtet mittlerweile selbst nebenberuflich am IMC Krems und kann damit seine Erfahrungen den Studierenden direkt weitergeben – auch im Bereich Wine Marketing, in dem er durch die von ihm initiierten Pop-up-Wine-Bars in Paris und Wien-Hietzing viel praktische Erfahrung gesammelt hat.
Blick über die Grenze: die Lage in Nordmazedonien
Eine internationale Perspektive zum Thema liefert Bojan Ristov vom Weingut Lazar in Nordmazedonien, ebenfalls IMC-Alumnus. Heiße Sommer sind hier seit Jahren Realität – im Juni und Juli 2026 blieben die Temperaturen aber überraschend moderat, anders als in vielen Teilen Mittel- und Westeuropas. In Nordmazedonien setzte die Hitze erst im August ein. „Obwohl es inzwischen sehr warm geworden ist, erwarten wir vom Jahrgang 2026 außergewöhnliche, möglicherweise sogar herausragende Weine. Denn ein warmer Jahrgang muss nicht automatisch ein schlechter sein. Entscheidend ist vielmehr, wie die Reben auf die Bedingungen reagieren und wie präzise wir die Lese und die anschließende Weinbereitung steuern“, sagt er.
Ein früherer Lesezeitpunkt ist auch in Tikveš, einem der bedeutendsten Weinbaugebiete Nordmazedoniens, zu einem wichtigen Instrument geworden, um Frische und Säure zu bewahren. „Dieser Ansatz ist im Hinblick auf die sich verändernden Marktpräferenzen besonders relevant. Konsumentinnen und Konsumenten interessieren sich zunehmend für frische, elegante und ausgewogene Weißweine.“
„Es geht um die richtigen Zeitpunkte und um Gespür“
Zurück nach Österreich. Im Kamptal kämpfen die Weingärten mit der Trockenheit, berichtet Marie Hirsch vom Weingut Hirsch: „Vor allem die älteren sind aber immer noch erstaunlich vital und grün. Bei den jungen Weingärten wurden die Trauben teilweise entfernt, um den Stock zu schützen. Wir arbeiten generell mit kürzeren Laubwänden und in den Frostweingärten von 2024 machen wir einen späteren Schnitt, was eine spätere Lese ermöglicht. Wichtiger denn je ist der optimale Lesezeitpunkt, und wir machen uns beim Pressen sehr viele Gedanken.“
Die Lage im östlichen Weinviertel ist ähnlich herausfordernd. Alumna Benita Lobner vom Weingut Lobner in Mannersdorf: „So einen Jahrgang wie 2026 habe ich noch nie erlebt. Der erste heiße Jahrgang, bei dem ich aktiv dabei war, war 2018. Da hat es dann aber kurz vor der Ernte noch zu regnen begonnen, darauf hoffen wir auch jetzt“, sagt sie. Eine Kombination aus Erfahrung und neuen Ideen sei nun Gold wert. „Es geht viel um die richtigen Zeitpunkte und um Gespür. Bei jungen Anlagen haben wir den Ertrag drastisch reduziert, untergesetzte Jungpflänzchen wurden bei uns von Hand gegossen.“
Allheilmittel Bewässerung?
Bewässerung – vielerorts wäre Weinbau in Österreich ohne regelmäßige Zufuhr von Wasser gar nicht möglich. Eine Tatsache, die Andreas Schachenhuber vom Weingut WeinSchach durchaus kritisch sieht. Auch er unterrichtet nebenberuflich am IMC Krems. „Wenn der Regen ausbleibt, können auch wir Winzer nur begrenzt reagieren. Entscheidend wird deshalb, Wasser künftig über das gesamte Jahr besser in der Landschaft zu halten, statt es möglichst schnell abzuleiten. Dauerhafte Bewässerung mit Grundwasser sehe ich kritisch – Reben können mit Trockenheit gut umgehen. Wir müssen lernen, mit Wasser anders umzugehen: im Weingarten, in unseren Städten und als Gesellschaft. In Kalifornien sieht man beispielsweise, wie stark Wassermanagement bereits Teil der langfristigen Planung landwirtschaftlicher Flächen geworden ist.“
Die Weinbranche als Spiegel einer Gesellschaft, die im Wandel ist – auch durch veränderte Konsumgewohnheiten, etwa durch die zunehmende Nachfrage nach alkoholreduzierten oder alkoholfreien Produkten. „Veränderung gehört zum Unternehmertum. Unsere Aufgabe ist es, darauf nicht mit Stillstand zu reagieren, sondern neue Produkte, Positionierungen und Wege zum Kunden zu entwickeln“, findet Andreas Schachenhuber. Genau hier setzt der Studiengang International Wine Business an, der neben weinbaulichen Aspekten auch betriebswirtschaftliche und rechtliche Elemente beinhaltet. Die fein abgestimmte Mischung ist gefragt, Synergien dürfen und sollen genützt werden – genauso wie aktuell im Weingarten.
Bachelor-Studiengang: International Wine Business
Der richtige Mix zählt: International Wine Business kombiniert eine fundierte wirtschaftliche Ausbildung mit weinbaulichen, önologischen und rechtlichen Aspekten – und das alles in der Unterrichtssprache Englisch. Ein Bachelor-Studium, das in dieser Kombination einzigartig ist. Zu den Studierenden zählen angehende Winzerinnen und Winzer aus ganz Europa genauso wie internationale Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger, die in der Wein- und Getränkebranche arbeiten wollen oder ein Business-Studium mit besonderem Twist suchen.
Bewerbungen für das Studienjahr 2026/27 sind noch bis 1.9. möglich.
- Organisationsform: Vollzeit, 6 Semester, 180 ECTS
- Studienbeitrag: 363,36 EUR (für EU-Staatsbürger*innen)
Inhalte
- Grundlagen: Betriebswirtschaft, Volkswirtschaft, Sprachen und Kommunikation
- Praxis-Semester im 5. Semester
- Vertiefung: Weinbau und -produktion, Rebsorten und Weinstile, internationales Weinrecht, Weinsensorik und -analyse

