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Danubius Young Scientist Award 2026 für Hanna Köttl

Die Forschungsprofessorin und Studiengangsleiterin am IMC Krems wird für ihre wissenschaftlichen Arbeiten zu Ageism, digitaler Teilhabe und altersinklusiver Künstlicher Intelligenz im Gesundheitswesen ausgezeichnet.

Hanna Köttl vom IMC Krems wurde mit dem Danubius Young Scientist Award 2026 ausgezeichnet. In jedem der 14 teilnehmenden Länder wird jeweils eine herausragende Nachwuchswissenschaftlerin bzw. ein herausragender Nachwuchswissenschaftler geehrt. Köttl wurde als österreichische Preisträgerin ausgewählt.

Hanna Köttl, Forschungsprofessorin für altersinklusive und gerechte Künstliche Intelligenz im Gesundheitswesen sowie Studiengangsleiterin am IMC Krems, wurde mit dem Danubius Young Scientist Award 2026 als österreichische Preisträgerin ausgezeichnet. Der Preis würdigt ihre wissenschaftlichen Leistungen zu Ageism, digitaler Teilhabe und einer gerechteren Gesundheitsversorgung.

Die Preisverleihung fand am 5. November im Rahmen der Jahreskonferenz der Danube Rectors’ Conference (DRC) in Ruse, Bulgarien, statt. Der Preis wird vom österreichischen Bundesministerium für Frauen, Wissenschaft und Forschung (BMFWF) in Kooperation mit dem Institut für den Donauraum und Mitteleuropa (IDM) vergeben und würdigt herausragende wissenschaftliche Leistungen junger Forscher*innen in und für den Donauraum. Die Auszeichnung unterstreicht die internationale Bedeutung von Köttls Forschung an der Schnittstelle von Gesundheitswissenschaften, Digitalisierung und gesellschaftlicher Teilhabe.

Ageism im Gesundheitswesen entgegenwirken

Als Forschungsprofessorin für altersinklusive und gerechte Künstliche Intelligenz im Gesundheitswesen (EQUIP-AI) und Leiterin des Master-Studiengangs Angewandte Gesundheitswissenschaften beschäftigt sich Hanna Köttl mit der Frage, wie Ageism – also Stereotype, Vorurteile und Diskriminierung aufgrund des Alters – erkannt und abgebaut werden kann. Ageism beeinflusst, wie die Fähigkeiten, Bedürfnisse und Behandlungsmöglichkeiten von Menschen unterschiedlichen Alters wahrgenommen und beurteilt werden. Altersbezogene Vorurteile können dazu führen, dass ältere Menschen bei medizinischen Entscheidungen benachteiligt werden oder keinen gleichberechtigten Zugang zu geeigneten Behandlungen und Versorgungsangeboten erhalten.

Ausgangspunkt für ihr langjähriges Engagement waren auch Erfahrungen als Ergotherapeutin in der Akutgeriatrie, Neurologie und Psychiatrie. Dort erlebte sie, wie ältere Menschen von bestimmten Behandlungen ausgeschlossen wurden, obwohl sie davon hätten profitieren können. Seither untersucht Köttl Ageism auf individueller, gesellschaftlicher, institutioneller und technologischer Ebene. Im Mittelpunkt stehen dabei sowohl verinnerlichte Altersbilder als auch strukturelle Ungleichheiten und die Frage, wie Gesundheitsversorgung und digitale Technologien gerechter gestaltet werden können.
Einen wichtigen Ausgangspunkt bildete ihre Promotion im europäischen Horizon-2020-Marie-Skłodowska-Curie-Netzwerk „EuroAgeism“. Darin untersuchte sie, wie gesellschaftliche Altersbilder und internalisierter Ageism die Nutzung digitaler Technologien im höheren Lebensalter beeinflussen. Ihre Forschung zeigt, dass die Nichtnutzung digitaler Gesundheits- und Alltagstechnologien häufig nicht auf individuelle Defizite, sondern auf soziale, kulturelle und strukturelle Barrieren zurückzuführen ist.

Künstliche Intelligenz altersinklusiv und gerecht gestalten

Mit ihrer seit September 2025 bestehenden Forschungsprofessur EQUIP-AI am IMC Krems widmet sich Köttl insbesondere den Chancen und Risiken Künstlicher Intelligenz im Gesundheitswesen. KI-Systeme lernen aus vorhandenen Daten und können dadurch gesellschaftliche Vorurteile und bestehende Ungleichheiten übernehmen. Da ältere Menschen in digitalen Datenbeständen häufig unterrepräsentiert sind, besteht die Gefahr, dass ihre Bedürfnisse bei der Entwicklung neuer Technologien zu wenig berücksichtigt werden.
„KI ist nie neutral, sie lernt aus Daten der Vergangenheit und übernimmt damit auch deren Vorurteile und Stereotype, wenn nicht gegengesteuert wird“, betont Köttl. Ageism kann nicht nur durch unausgewogene Datensätze in KI-Systeme einfließen. Auch in Forschungs-, Entwicklungs- und Designprozessen werden ältere Menschen häufig unzureichend einbezogen. Köttls Forschung betrachtet daher sowohl mögliche Verzerrungen in KI-generierten Ergebnissen als auch die sozialen, institutionellen und ethischen Bedingungen der Technologieentwicklung.
Im von Köttl geleiteten Forschungsprojekt „AgeIsm“ wurde untersucht, wie altersbezogene Annahmen klinische Entscheidungsprozesse beeinflussen. Anhand empirischer Studien mit Studierenden der Physio- und Ergotherapie wurde zudem erforscht, ob der reflektierte Einsatz großer Sprachmodelle zu gerechteren klinischen Entscheidungen beitragen kann. Die Erkenntnisse bilden eine Grundlage für die Entwicklung von Lehrinhalten zum verantwortungsvollen und altersinklusiven Einsatz von KI in der Ausbildung von Gesundheitsberufen.

Partizipative Forschung mit informell Pflegenden

Ein weiterer Schwerpunkt ist das von Köttl geleitete internationale Projekt „CROB – Collaborative Research on Occupational Balance“, das Gesundheit, Lebensqualität und Betätigungsbalance informell Pflegender von Menschen nach einem Schlaganfall untersucht. Darauf aufbauend entwickelt Köttl in einem neuen, von der Gesellschaft für Forschungsförderung Niederösterreich geförderten Projekt gemeinsam mit älteren informell Pflegenden und weiteren relevanten Akteur*innen eine KI-basierte Lösung, die den Zugang zu regionalen Unterstützungsangeboten erleichtern soll.
Menschen in unterschiedlichen Lebensphasen und bislang unterrepräsentierte Gruppen werden von Beginn an in die Bedarfsanalyse, das Co-Design und die Erprobung des KI-Prototyps einbezogen. So können unterschiedliche digitale Kompetenzen, soziale Lebenslagen und mögliche Zugangsbarrieren bereits bei der Entwicklung berücksichtigt werden. Die partizipative Entwicklung ist ein wesentliches Merkmal von Köttls Forschungsansatz: Digitale Lösungen sollen nicht nur für Menschen, sondern gemeinsam mit ihnen entstehen.

Wissenschaft an der Schnittstelle von Forschung, Politik und Praxis

Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und der fortschreitenden Digitalisierung gewinnt eine altersgerechte Gesundheitsversorgung zunehmend an Bedeutung. Im Einklang mit der UN-Dekade für Gesundes Altern (2021–2030) der Weltgesundheitsorganisation setzt sich Hanna Köttl dafür ein, stereotype Altersbilder aufzubrechen und die Vielfalt des Alterns stärker ins Bewusstsein zu rücken.
Neben ihrer empirischen Forschung bringt sie ihre Expertise auch in die internationale Zusammenarbeit sowie in den Austausch zwischen Wissenschaft, Politik und Praxis ein. Ziel ist es, wissenschaftliche Erkenntnisse zu Altern, Digitalisierung und fundamentalen Rechten in konkrete Empfehlungen für Gesundheitsversorgung und Technologieentwicklung zu übersetzen.
Der Danubius Young Scientist Award 2026 würdigt ihr wissenschaftliches Engagement und unterstreicht die internationale Relevanz ihrer Forschung für eine diskriminierungsfreie und zukunftsorientierte Gesundheitsversorgung.

Zum Studiengang Angewandte Gesundheitswissenschaften