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Care-Arbeit gerechter verteilen: Was Männer zur Sorgeverantwortung motiviert

Mit ihrem Dissertationsprojekt „CaringPartners“ untersucht die Forscherin warum Männer Verantwortung in der Angehörigenpflege übernehmen – und wie sich Sorgearbeit nachhaltiger und gerechter gestalten lässt.

Wenn Menschen im Alltag Unterstützung brauchen übernehmen Angehörige eine zentrale Rolle – sei es im Haushalt, bei organisatorischen Aufgaben oder bei Arztbesuchen. Pflegearbeit in der Familie ist unverzichtbar – und nach wie vor ungleich verteilt: In Österreich wird sie überwiegend von Frauen geleistet.

Warum engagieren sich manche Männer dennoch in der Angehörigenpflege? Welche Faktoren tragen dazu bei? Und unter welchen Bedingungen sind sie bereit Sorgeverantwortung zu übernehmen? Genau diesen Fragen geht Evelyn Haberl, Wissenschaftlerin am Institut für Therapie- und Hebammenwissenschaften des IMC Krems, in ihrem Dissertationsprojekt „CaringPartners“ nach.
 

Mit dem Forschungsprojekt „CaringPartners“ geht Evelyn Haberl der Frage nach, warum Männer Angehörigenpflege übernehmen und welche Rahmenbedingungen eine gerechtere Verteilung von Care-Arbeit fördern.

„Pflegende Angehörige leisten einen enorm wichtigen Beitrag für unsere Gesellschaft“, sagt Haberl. Angesichts steigender Lebenserwartung und wachsendem Unterstützungsbedarf wird familiäre Pflege immer bedeutsamer – während das Gesundheitssystem vielerorts an seine Grenzen stößt. Umso wichtiger ist es Rahmenbedingungen zu schaffen welche die Pflege zu Hause ermöglichen – ohne die Gesundheit der pflegenden Angehörigen zu gefährden.

Männer in der Angehörigenpflege: Was sie motiviert

Im Zentrum ihres Doktorats steht das Projekt „CaringPartners – Pflegekultur entwickeln: Die Bereitschaft zur familiären Pflege bei Millennial-Männern in Österreich“. Der Ansatz ist bewusst ressourcenorientiert: Im Fokus stehen Männer, die bereits Sorgeverantwortung übernehmen, und was sich aus ihren Erfahrungen lernen lässt. Haberl analysiert welche Faktoren in ihren Biografien dazu beigetragen haben, dass Männer diese Rolle übernehmen.

Ein zentrales Element des Projekts ist der intergenerationale Ansatz: Ergänzend untersucht Haberl wie Männer der Generation Millennials (geboren zwischen 1981 und 1996) über eine mögliche zukünftige Sorgeverantwortung denken. Abschließend arbeiten Männer unterschiedlicher Altersgruppen und Lebenssituationen in Workshops gemeinsam daran, Empfehlungen für eine gerechtere Verteilung von Care-Arbeit zu entwickeln.

Ein Weg in die Forschung – über Umwege

Nach der Matura begann Haberl ein Studium an der WU Wien, orientierte sich jedoch neu und absolvierte eine Ausbildung in Innenraumgestaltung und Möbelbau. Persönliche Erfahrungen mit Unterstützungsbedarf weckten ihr Engagement für Barrierefreiheit und Care-Arbeit. Ihr Interesse am Gesundheitsbereich führte sie später zur Ergotherapie – und schließlich zur wissenschaftlichen Tätigkeit. „Ich liebe es, Neues zu lernen und Problemen auf den Grund zu gehen“, beschreibt sie ihre Motivation. 
Entscheidend war für sie das Masterstudium „Angewandte Gesundheitswissenschaften“ am IMC Krems: Dort entdeckte sie ihre Begeisterung für Forschung und den wissenschaftlichen Austausch über gesellschaftliche Fragen rund um Gesundheit und Versorgung. Bereits in dieser Phase war sie im Forschungsprojekt CROB („Collaborative Research on Occupational Balance“) eingebunden, das die Betätigungsbalance pflegender Angehöriger untersuchte. Diese wertvolle Forschungserfahrung – und die Nähe zu den realen Herausforderungen von Care-Arbeit – führten zur Entwicklung ihrer eigenen Dissertationsidee.

Wissenschaft als Beitrag zu einem guten Leben

Was Haberl an Forschung besonders schätzt, ist der Perspektivenwechsel: Gespräche, Diskussionen und neue Blickwinkel, die helfen, komplexe gesellschaftliche Entwicklungen besser zu verstehen – und daraus konkrete Ansatzpunkte für Verbesserungen abzuleiten. Ihr Ziel ist es, dazu beizutragen, dass Menschen gut und gesund altern können – und Care-Arbeit künftig gerechter verteilt wird.

Über Evelyn Haberl

Evelyn Haberl, geboren 1985 in Wien, absolvierte von 2018 bis 2021 das Bachelorstudium Ergotherapie und studierte anschließend von 2021 bis 2023 „Angewandte Gesundheitswissenschaften“ am IMC Krems. Von 2023 bis 2026 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin im Forschungsprojekt „Collaborative Research on Occupational Balance“ (CROB) unter der Leitung von Hanna Köttl. Seit 2026 absolviert sie ein Doktoratsstudium in Kooperation zwischen dem IMC Krems und der Universität Wien. Ihr Dissertationsprojekt „CaringPartners – Pflegekultur entwickeln: Die Bereitschaft zur familiären Pflege bei Millennial-Männern in Österreich“ wird durch die Gesellschaft für Forschungsförderung Niederösterreich (GFF) gefördert.