Ein spannender und von vielen unerwarteten Umwegen geprägter Lebensweg führte IMC-Absolventin Sabine Rössl vom Tourismus zu Revenue Management und digitaler Ethik.
Story
Zufälle, Umwege und die Tourismus-Expertise des IMC Krems

Mit ihrem IMC-Bachelor in Tourism and Leisure Management arbeitet Sabine Rössl heute als Director of Digital & Revenue Development in einer privat geführten Hotelgruppe in der Schweiz, verschreibt sich der Sensibilisierung für eine Mensch-Maschine-Koexistenz und findet dabei Ausgleich in der eigenen kleinen Waldwirtschaft.
IMC Bachelor-Studium als Basis
Ihre Reise in die Welt des Tourismus begann für Sabine Rössl bereits im seit Generationen bestehenden Gasthof Rössl im weststeirischen Södingtal, der ihr in jeder Hinsicht Gastfreundschaft in die Wiege legte. Nachdem sie ihre Matura an den Hotelfachschulen in Bad Gleichenberg absolviert hatte, zog es sie für ein achtmonatiges Hotelmanagement Trainee-Programm in das südenglische Cornwall.
Mit ersten Führungserfahrungen im Gepäck stoppte Sabine für weiteren Kompetenzgewinn im Food-&-Beverage-Bereich sowie als Concierge am Wörthersee. Damals hatte sie die Qual der Wahl: Es stand ihr offen, entweder an einem Hotel Opening in New York teilzunehmen, die persönliche Flugbegleitung eines internationalen Geschäftsmannes zu werden oder das englischsprachige Bachelor-Studium für Tourism and Leisure Management am IMC Krems zu beginnen. Das Bauchgefühl lenkte Sabine in Richtung Studium, was rückblickend die richtige Entscheidung war.
Um während des Vollzeitstudiums nicht den Anschluss an die Berufswelt zu verlieren, entschied sie sich für einen freiwilligen Sommerjob im slowenischen Portorož. Ungeplant verschlug es Sabine dabei in die Reservierungsabteilung, wo sie gleichzeitig zum ersten Mal mit Revenue Management in Berührung kam – ein wegweisender Zufall. Anlässlich des praktischen Auslandssemesters ging es in das Londoner Headoffice einer internationalen Hotelvereinigung, wo sie ohne Vorkenntnisse knapp hundert Hotels in puncto E-Commerce- und Revenue-Entwicklungen zur Seite stehen durfte.
Liebe aus der Schweiz trifft hohes Lebenstempo
Nach Abschluss des Studiums ging es für eine Wintersaison in die Reservierungsabteilung eines Luxushotels nach St. Moritz. Am Ende war sie dann fast drei Jahre dort und hat obendrein auch noch ihren „Concierge zum Verlieben“ gefunden – oder er sie.
Vom Champagnerklima wechselten beide in die grüne Steiermark, wo Sabine die Chance erhielt, die neu geschaffene E-Commerce-Abteilung für eine privat geführte österreichische Hotelgruppe auf die Beine zu stellen. Die nicht ganz vier Jahre in Graz spiegelten eine gewisse Sturm-und-Drang-Phase in ihrem Leben wider. Sie flog zu Business Trips von Moskau bis Shanghai, stürzte sich in einen Jagdkurs und eine Forstweiterbildung, hielt Gastvorträge zu E-Commerce & Co. am IMC Krems oder dem Kolleg für Tourismus und Freizeitwirtschaft in Bad Gleichenberg und reiste mit ihrem Partner an einige abgelegene Ecken der Welt wie Belize, Patagonien oder die Mongolei. Dass diese Lebensgeschwindigkeit dann doch eine Spur zu schnell war, zeigte der Körper ihr klar auf und es galt, sich wieder zu besinnen und ein paar Gänge runterzuschalten.
Zum Start der Pandemie verschlug es Sabine und ihren Partner erneut in die Schweiz – dieses Mal etwas unerwartet in das verträumte Tessin, und das, obwohl sie anfangs kaum etwas von der italienischen Sprache verstand. Mittlerweile leben sie schon fünf Jahre dort und sind seit Kurzem stolze Eltern einer wunderbaren Tochter.
Engagement für und mit künstlicher Intelligenz
Beruflich ist sie in der Schweiz für den Aufbau der neu geschaffenen Digital & Revenue Development Abteilung innerhalb einer privat geführten Hotelgruppe mit vier Luxushotels am See und in den Bergen zuständig. Der Job ist bereichernd und zukunftsträchtig, aber er verlangt zugleich hohe geistige Anstrengungen. Revenue Management stellt dabei eine essenzielle Basis dar, wobei es die nötigen Ressourcen braucht, um zufriedenstellende Ergebnisse zu erzielen.
Die mittlerweile ohnehin schon dynamische digitale Szene ist aufgrund des Wandels rund um künstliche Intelligenz fast unberechenbar geworden. Um dennoch den Blick für das Wesentliche zu behalten, entschied sich Sabine für ein Teilstudium zu Digitaler Ethik & Governance an einer privatisierten Hochschule in Luzern. Sie arbeitet schon länger an einem Herzensthema, und zwar dem Versuch, unsere Gesellschaft ganz wertfrei in Richtung einer „gesunden“ Koexistenz zwischen Mensch und Maschine zu sensibilisieren. Denn ihr scheint, künstliche Intelligenz ist gekommen, um zu bleiben.
Sabine Rössl im Interview zu ihrem Bachelor-Studium Tourism and Leisure Management:
Warum haben Sie sich damals für das Bachelor-Studium am IMC Krems entschieden?
Wollte man sich im Tourismus weiter spezialisieren, so lautete die Anlaufstelle mit dem besten Ruf dafür IMC Krems. Dies hatte letztendlich einen großen Einfluss auf meine finale Entscheidung. Ein Studium anzutreten, nachdem man bereits ein paar Jahr im Jobleben war, ist sicherlich eine Umstellung in vielen Belangen. Mir war jedoch bewusst, dass gerade ein Bachelor-Studium in Verbindung mit meinen angestrebten Ambitionen und Visionen auf lange Sicht eine sinnvolle Basis darstellen würde.
Wie hat das Studium am IMC Krems Ihren beruflichen Werdegang beeinflusst?
Die übermittelte Theorie mit dem starken Praxisbezug war für mich eine optimale Ergänzung zu allen bisherigen Erfahrungen. Obwohl sich gerade in meinem Fall manche Themen von der Hotelfachschule mit jenen am IMC Krems deckten, ging man im Studium zum einen noch viel weiter in die Tiefe und konnte zum anderen das bereits Erlernte damit ganzheitlich festigen.
Welche spezifischen Inhalte Ihres Studiums helfen Ihnen bei Ihrer heutigen Arbeit im Digital & Revenue Development?
Wenn ich mir den zu meiner Zeit geltenden Syllabus der sechs Semester ansehe, dann sind es vorrangig die Fächer Project Management, Tourism Consumer Behaviour, Law, Hospitality Management wie auch E-Tourism. Dabei sind es im Project Management die klassischen Prozesse und Abläufe, die einem während der Theoriekurse manchmal eher abstrakt erschienen. Bei Tourism Consumer Behaviour war es das Verständnis, wie granular Gästeverhalten gefiltert werden kann und welche Komplexität bei den Entscheidungen im Hintergrund abläuft.
Der praxisnahe Rechtsunterricht lehrte mich das Lesen und Interpretieren von rechtlichen Verträgen oder Gesetzestexten, womit ich heute in meiner beruflichen Verantwortung beispielsweise rund um Datenschutz, aber auch gruppenübergreifende Verträge immer wieder konfrontiert werde. Das vermittelte Verständnis für das doch komplexe Zusammenspiel der verschiedenen Abteilungen und Arbeitsabläufe innerhalb von Hotels und Hotelgruppen fand im Zuge des Hospitality-Management-Unterrichts statt. Und letztendlich steckt das Fach E-Tourism mit seiner weitläufigen Matrix tatsächlich relevante Eckpfeiler für meinen heutigen Arbeitsbereich im Digital Development ab.
Wie und wo finden Sie Ihren Ausgleich?
Familie und meine persönlichen Wurzeln liegen mir seit jeher sehr am Herzen und deshalb pendle ich auch immer wieder gerne in meine steirische Heimat. Einen weiteren angenehmen Ausgleich bringt mir dort die von meinen Eltern an mich übergebene Waldwirtschaft zusammen mit einer Alm. Neben meinen Pflichten, denen ich dabei nachgehe, schätze ich es, Zeit in der Natur zu verbringen und mich von meinem eigenen Wald inspirieren zu lassen.
Gibt es noch etwas, das Sie abschließend teilen möchten?
Einerseits ist es nicht zwingend der direkte Weg im Leben, welcher der richtige sein muss. Häufig sind es gerade die überraschenden Umwege, die es braucht, um den persönlichen Zielen näherzukommen. Und andererseits ist es ein wundervolles Gefühl, wenn man Erlerntes wie auch Erfahrenes an interessierte Menschen weitergeben kann – vor allem dann, wenn man selbst über die Jahre immer wieder unerwartet von wertvollen Mentorinnen und Mentoren begleitet werden durfte.