Was passiert, wenn jemand Forschung ernst nimmt und gleichzeitig versteht, wie Kommunikation funktioniert? Sophie Imhof lernt, versteht, kommuniziert und hinterfragt – und steckt damit ihre Umgebung an.
Story
Wissenschaft erklären – und „annehmen, was ist“

Unsere IMC Krems Absolventin Sophie Imhof – Studiengang Medical and Pharmaceutical Biotechnology – arbeitet heute dort, wo vieles zusammenläuft: an einer der renommiertesten medizinischen Universitäten in New York. Sie forscht zu neurodegenerativen Erkrankungen, beschäftigt sich mit Langlebigkeit und den Mechanismen des Körpers.
Gleichzeitig baut sie ihre eigene Plattform auf. Auf Instagram und TikTok erklärt sie, was hinter Gesundheitstrends steckt, zerlegt Marketingversprechen und macht Wissenschaft zugänglich. Mehr als 30.000 Menschen folgen ihr dabei.
Und dann ist da noch ihr Magazin. „Wunderwerk Leben“ ist kein klassisches Wissensformat. Es verbindet Biologie, Philosophie und gesellschaftliche Fragen. Ziel ist nicht, einfache Antworten zu liefern – sondern Denken anzustoßen. Diese Kombination ist selten: fundierte Forschung, klare Sprache, ein eigener Zugang zu Themen, die viele betreffen.
„Kritisches Denken sollte kein Privileg sein.“
Sie arbeiten an einer Top-Uni und sind gleichzeitig auf Social Media sehr präsent. Warum ist Ihnen dieser Zugang so wichtig?
Ich komme selbst aus einer Arbeiter-Familie und auch mein gesamtes Umfeld, in dem ich groß geworden bin, besteht jetzt nicht unbedingt aus akademisch gebildeten Leuten oder solchen mit engem Bezug zu Biologie und Medizin. Ich war aber schon immer fasziniert davon, wie viel eigentlich bereits bekannt ist und wie tief die Forschung in manchen Bereichen geht – und wie wenig davon in der Allgemeinbevölkerung ankommt.
Ich glaube, ein großer Teil davon liegt einfach daran, wie Wissenschaft häufig kommuniziert wird: extrem trocken, kompliziert und fachlich so verpackt, dass viele Menschen automatisch das Gefühl bekommen, sie könnten das sowieso nicht verstehen. Ich sehe das, ehrlich gesagt, recht anders. Ich glaube, mit dem richtigen Zugang kann fast jede und jeder auch komplexe biologische Mechanismen verstehen. Genau das versuche ich, mit meiner Arbeit zu machen: Wissenschaft greifbarer zu machen, manchmal mit ein wenig österreichischem Schmäh, aber ohne die Inhalte zu simplifizieren oder zu verfälschen. Weil das Verständnis für den eigenen Körper und die eigene Biologie unglaublich viel verändern kann. Nicht nur, wie man Gesundheit sieht, sondern oft auch die gesamte Perspektive aufs Leben.
„Ich wollte ein Format, das nicht nur informiert.“
Mit „Wunderwerk Leben“ hat Sophie Imhof ein eigenes Magazin gegründet. Jede Ausgabe greift ein Thema auf – von Ernährung über das Gehirn bis zu gesellschaftlichen Fragen – und verbindet wissenschaftliche Inhalte mit persönlichen Perspektiven.
Was war der Moment, in dem Sie gemerkt haben: Ich brauche ein eigenes Format?
Als mir auf Social Media erklärt werden wollte, dass irgendeine Leberkur plötzlich unser Leben verändern wird. Ich habe dann begonnen, Influencer-Gesundheitswerbung ein wenig genauer auseinanderzunehmen und war überrascht, wie viel Marketing und wie wenig tatsächliche wissenschaftliche Evidenz oft hinter den Dingen steckt. Gleichzeitig habe ich aber auch realisiert, dass man für echte Aufklärung mehr braucht als nur schnelle Clips und Schlagwörter. Manche Mechanismen kann man nicht in 15 Sekunden erklären, ohne dass dabei die Hälfte verloren geht.
Genau daraus ist Ende 2024 „Wunderwerk Leben“ entstanden. Ein Printmagazin, in dem wir komplexe biologische, medizinische und gesellschaftliche Themen so aufbereiten, dass man sie wirklich verstehen kann – ohne Fachchinesisch, aber trotzdem wissenschaftlich fundiert. Alle zwei Monate erscheint eine neue Ausgabe mit unterschiedlichsten Themenschwerpunkten, aber im Kern geht’s eigentlich immer um dasselbe: den Menschen besser zu verstehen.
Was mir dabei aber fast am meisten bedeutet, ist, dass die Magazine eben nicht nur reine Fachliteratur sind. In jeder Ausgabe stecken auch persönliche Gedanken, kleine Hints und Einblicke von mir selbst drinnen. Das schafft für mich eine spezielle Verbindung zwischen mir und den Lesenden, die ich so nicht erwartet hätte. Und ich finde den Gedanken schön, dass Menschen unsere Magazine nicht nur wegen der Informationen lesen, sondern weil sie dabei vielleicht auch ein wenig Dankbarkeit entwickeln – einfach dafür, dass es uns gibt und dass unser Körper trotz allem jeden Tag Dinge macht, die eigentlich komplett verrückt sind.
Ich glaube auch, dass unsere Marke zeigt, dass Menschen mittlerweile eben doch Bock auf Fakten, Wissen und echte Inhalte haben. Gerade jetzt kann man extrem spannend beobachten, welchen Wandel Social Media durchmacht. Viele merken langsam selbst, dass schnelle Schlagzeilen, Dauerwerbung und künstliche Aufmerksamkeit irgendwann einfach leer machen. Dass sich trotzdem so viele Menschen bewusst für unsere Magazine entscheiden – also für den schwierigeren, langsameren, aber wahrscheinlich nachhaltigeren Weg –, ist für mich eigentlich das größte Kompliment an unserer Arbeit. Und das geht komplett an unsere Lesenden.
Zwischen Forschung, Content und Unternehmertum
Ihr Weg ist geprägt von Kontrasten: Ausbildung in Österreich, internationale Forschung, Leben in New York. Dazwischen baut sie Schritt für Schritt ihre eigene Marke auf – mit klarer Positionierung. Sie nennt sich selbst auch „Defluencerin“ im Gesundheitsbereich. Es geht ihr nicht darum, Trends zu verstärken, sondern sie zu hinterfragen.
Sie bewegen sich gleichzeitig in Wissenschaft, Medien und Unternehmertum. Was fordert Sie daran am meisten?
Die Antwort, die man wahrscheinlich erwarten würde, ist, dass das alles extrem viel Arbeit ist – und ja, das ist es auch. Mittlerweile mache ich das natürlich nicht mehr alleine, sondern hab ein wahnsinnig tolles Team. Aber, um ehrlich zu sein, ist das nicht das, was mich am meisten fordert. Viel intensiver ist eigentlich das, was ich aus all diesen Themen mit in mein echtes Leben nehme. Ich beschäftige mich teilweise täglich über viele Stunden mit den kleinsten und gleichzeitig absurd komplexen biologischen Mechanismen, mit schweren Erkrankungen, tragischen Geschichten und generell mit allem, was den Menschen irgendwo ausmacht. Und da gibt’s schon Momente, wo ich mir die Sinnfrage stelle.
Weil je tiefer man biologisch in manche Themen eintaucht, desto absurder wirkt eigentlich vieles und damit kommt auch eine gewisse Schwere. Dass es uns überhaupt gibt. Dass wir lieben, hassen, fühlen, denken und irgendwo auf einem Stein durchs Universum fliegen und dabei so tun, als wäre das alles komplett normal. Und dann sitzt du da und liest über irgendeinen winzigen molekularen Mechanismus, der darüber entscheiden kann, ob ein Mensch gesund bleibt oder nicht. Das relativiert vieles.
Ich glaube, genau deshalb schreibe ich mittlerweile auch so persönlich in meinen Editorials und generell in den Magazinen. Anfangs wollte ich einfach nur Wissenschaft verständlicher machen, aber mit der Zeit habe ich gemerkt, dass das Ganze viel mehr geworden ist. Die Magazine sind mittlerweile fast wie eine Art Verarbeitung all der Dinge, mit denen ich mich beschäftige. Zu merken, dass andere Menschen diese Gedanken nachvollziehen können oder sich in manchen Zeilen wiederfinden, nimmt diesem ganzen Wahnsinn manchmal ein wenig die Schwere – weil man plötzlich merkt, dass wir eigentlich alle nur versuchen zu verstehen, warum wir so sind, wie wir sind.
Also ja – fachlich ist das Ganze natürlich fordernd. Aber das eigentlich Herausfordernde ist eher, was diese Informationen, Geschichten und Erkenntnisse langfristig mit einem Menschen machen.
Ein Blick, der verbindet
Was Sophie Imhof auszeichnet, ist kein einzelnes Projekt. Es ist die Art, wie sie Dinge zusammenbringt.
- fundierte wissenschaftliche Arbeit
- klare, verständliche Kommunikation
- ein kritischer Blick auf aktuelle Entwicklungen
Damit erreicht sie eine Zielgruppe, die klassische Wissenschaft oft nicht erreicht – ohne dabei an Tiefe zu verlieren. Für Studierende, Absolventinnen und Absolventen ist das eine starke Perspektive: dass man sich nicht entscheiden muss zwischen Forschung und Öffentlichkeit, sondern beides verbinden kann, wenn man den eigenen Zugang findet.
Über Sophie
Ich bin gebürtige Prinzersdorferin, St. Pölten Land, und darauf auch sehr stolz. Obwohl ich gefühlt nie da bin, bin ich sehr heimatbezogen. Gleichzeitig liebe ich mein internationales Leben, habe Freunde weltweit und durfte schon so viele verschiedene tolle und gescheite Menschen treffen, die mein Denken und Leben für immer geprägt haben. Trotzdem gibt’s für mich kaum etwas Schöneres als österreichische Zeltfeste, ein bissl Schmäh und gutes Essen!
Ich bin großer Fan meiner Arbeit, liebe die Wissenschaft und verliere mich gern mal stundenlang in irgendwelchen sinnlosen Studien, einfach weil’s mich packt. Wenn ich nicht gerade am Schreiben bin, bin ich gern am Sporteln. Lange Distanzen und alles, was ein wenig extremer ist, machen mir Spaß – irgendwie lässt mich das meinen Körper und mich selbst nochmal ganz anders fühlen und kennenlernen. Da verarbeite ich alles, was so passiert im Leben, die guten und nicht so guten Aspekte. Alles gehört irgendwie dazu und alles versuche ich anzunehmen. Da gibt’s den Spruch „Annehmen, was ist“, den mag ich sehr gern. Egal, was passiert, ich habe so vieles im Leben, das es mir ermöglicht, Dinge anzunehmen – und dafür bin ich dankbar.

