Während Österreich aktuell eine intensive Hitzewelle erlebt, rückt die gesundheitliche Belastung durch hohe Temperaturen deutlich in den Fokus. Genau hier setzt das FFG-geförderte Forschungsprojekt „GreenTouch“ am IMC Krems University of Applied Sciences an: Es entwickelt in Zusammenarbeit mit Projektpartnern, praxisnahe Extended Reality- und Virtual Reality-Lösungen, die Gesundheitsberufe und Klient*innen im Umgang mit klimabedingten Belastungen unterstützen.
Presse
Wenn Hitze zum Gesundheitsrisiko wird

Hitze als akute Gesundheitsfrage
Temperaturen jenseits der 30-Grad-Marke, kaum nächtliche Abkühlung und überhitzte Innenräume machen die aktuelle Hitzewelle in Österreich spürbar zur Gesundheitsbelastung – besonders für ältere Menschen, chronisch Erkrankte und Personen im urbanen Raum.
Was lange als saisonales Komfortproblem galt, wird zunehmend als medizinische und gesellschaftliche Herausforderung sichtbar. Genau hier setzt „GreenTouch“ an: Das Projekt entwickelt digitale und analoge Werkzeuge, um konkrete Handlungsoptionen im Umgang mit Hitze verständlich, erlebbar und im Alltag anwendbar zu machen.
Das Projekt wird von einem interdisziplinären Konsortium getragen: dem Institut für Höhere Studien IHS (Projektlead), dem Austrian Institute of Technology AIT, der USTP University of Applied Sciences St. Pölten, IMC Krems University of Applied Sciences sowie den Partnern Future Minds und in-scope GmbH. Gefördert wird das Forschungsprojekt durch die FFG (Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft).
Co-Creation trifft Extended Reality
Im Zentrum von GreenTouch steht ein Co-Creation-Prozess, in dem Expert*innen aus Ergotherapie, Klimakommunikation und Technologie gemeinsam mit Praktiker*innen und Klient*innen Lösungen entwickeln. Schnell zeigte sich: Hitze ist eines der dringendsten Alltagsprobleme im Gesundheitskontext.
Daraus entstand ein XR-Prototyp, der mithilfe von Virtual Reality (VR) komplexe Zusammenhänge zwischen Klima, Gesundheit und Verhalten erlebbar macht. Ziel ist es nicht nur Wissen zu vermitteln, sondern konkrete Alltagssituationen realistisch zu simulieren und Handlungsoptionen unmittelbar erfahrbar zu machen.
„Wir sehen in der Praxis sehr deutlich, wie stark Hitzebelastung den Alltag unserer Klient*innen beeinflusst und physische und psychische Symptome wie Antriebslosigkeit, Schlafstörungen und Schmerzen verstärkt. Mit GreenTouch wollen wir genau hier ansetzen: nicht nur informieren, sondern Handlungsoptionen erlebbar machen und damit nachhaltige Veränderungen ermöglichen“, sagt Projektleiterin Spevak-Grossi vom IMC Krems.
Virtuelle und analoge Werkzeuge für den Alltag
Die entwickelten VR-Szenarien bilden typische Alltagssituationen während Hitzeperioden ab – etwa richtiges Lüften, Tagesstrukturierung oder einfache Kühlstrategien im Wohnraum. Besonders in der Ergotherapie eröffnen sich dadurch neue Möglichkeiten, da Klient*innen Strategien nicht nur besprechen, sondern direkt ausprobieren können.
Ergänzend wurde ein analoges Kartenset entwickelt, das die Inhalte auch ohne digitale Technik zugänglich macht. Bewertet werden Maßnahmen nach Kühlwirkung, Klimafreundlichkeit, Aufwand und Kosten – ein praxisnaher Zugang, der Gesundheits- und Umweltaspekte verbindet.
Klimakompetenz als Zukunftsaufgabe im Gesundheitswesen
GreenTouch greift eine wachsende Herausforderung im Gesundheitswesen auf: den zunehmenden Einfluss des Klimawandels auf therapeutische und pflegerische Praxis. Insbesondere Hitzeperioden stellen ein steigendes Risiko dar, dessen Auswirkungen bislang häufig unterschätzt werden.
Ziel des Projekts ist es daher, Klimakompetenz nachhaltig in der Ausbildung und Praxis von Gesundheitsberufen zu verankern. Studierende und Fachkräfte sollen befähigt werden, klimabedingte Gesundheitsrisiken frühzeitig zu erkennen und wirksame, alltagstaugliche Anpassungsstrategien an Klient*innen weiterzugeben.
Damit verbindet GreenTouch technologische Innovation mit konkreter Gesundheitsarbeit und zeigt, wie Extended Reality dazu beitragen kann, komplexe Zusammenhänge rund um Klima und Gesundheit verständlich, erlebbar und unmittelbar anwendbar zu machen. Angesichts der aktuellen Hitzewellen wird deutlich: Der Umgang mit Extremtemperaturen ist längst keine Zukunftsfrage mehr, sondern eine akute Aufgabe für Gesundheitsberufe und Gesellschaft – mit GreenTouch als praxisnahem Beitrag für konkrete Handlungsoptionen im Alltag.
Am IMC Krems wurden im Studiengang Ergotherapie Virtual-Reality-Szenarien bereits erfolgreich in der Lehre eingesetzt, um Studierenden sowohl theoretische als auch praktische Aspekte von Klimakompetenz im beruflichen Alltag näherzubringen. Die Lehrveranstaltung orientiert sich dabei am Handbuch zur Stärkung der Klimakompetenz in den Gesundheitsberufen der Gesundheit Österreich GmbH. Im Rahmen dieser Anwendung erhielten sie zudem Einblicke in das interprofessionelles Forschungsprojekt GreenTouch.

