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Wenn das Gehirn mit dem Immunsystem spricht

Jungforscherin Esther Hellman im Portrait

IMC-Krems-PhD-Studierende Esther Hellmann untersucht, wie der Rezeptor TLR10 die Kommunikation zwischen Immunzellen und Gehirn steuert – ein Beispiel für exzellente Forschung an Fachhochschulen und Hochschulen für Angewandte Wissenschaften. Im gestern präsentierten ecoplus-Jungforscherkalender 2026 ist sie als Vertreterin des Monats September ausgewählt.

PhD-Studierende Esther Hellmann bei ihrer Forschungsarbeit am IMC Krems – im gestern vorgestellten ecoplus-Jungforscherkalender 2026 steht sie für den Monat September.

Wie kommunizieren das Gehirn und das Immunsystem miteinander? Und welche Rolle spielt dabei ein bisher kaum erforschter Rezeptor namens TLR10? Diesen Fragen geht Esther Hellmann, PhD-Studierende am IMC Krems, in ihrer Forschung im Bereich Neuroimmunologie nach. Ihr Projekt ist Teil eines vom Wissenschaftsfonds FWF geförderten kooperativen Doktoratsprogramms mit der Universität für Weiterbildung Krems (UWK) – ein Beispiel für die exzellente wissenschaftliche Arbeit, die an österreichischen Hochschulen für Angewandte Wissenschaften stattfindet.
„Ich untersuche die Funktion des Toll-like Rezeptors 10, kurz TLR10, in Immunzellen des Gehirns, sogenannten Mikroglia“, erklärt Hellmann. „Diese Rezeptoren sind entscheidend für das angeborene Immunsystem – aber über TLR10 wissen wir bislang nur sehr wenig.“ Dafür hat sie Mikrogliazellen genetisch verändert, um Unterschiede zwischen Zellen mit und ohne TLR10 zu analysieren. Ihre Forschung kombiniert Proteomics, also die gleichzeitige Analyse aller Proteine in einer Zelle, mit klassischen zellbasierten Experimenten im Labor.

Von der Neugier zur wissenschaftlichen Leidenschaft

Zur Neuroimmunologie kam Hellmann eher zufällig – geblieben ist sie aus Faszination. „Je länger ich daran arbeite, desto spannender finde ich es, wie das Immunsystem und das Gehirn zusammenwirken, vor allem bei neurodegenerativen Erkrankungen.“ Diese Neugier spiegelt sich auch in ihrem Werdegang wider: Nach dem Bachelorstudium der Ernährungswissenschaften an der Universität Wien entschied sie sich bewusst für den Master Medical and Pharmaceutical Biotechnology am IMC Krems. „Ich wollte eine Ausbildung mit Laborbezug und Praxisnähe – das IMC Krems war dafür ideal.“

Nach ihrem Masterabschluss im September 2024 begann sie ihr Doktoratsstudium im FWF-Projekt Regenerative Medicine unter der Betreuung von Prof. (FH) Dr. Christoph Wiesner. Neben der Forschung im Labor besucht sie regelmäßig Lehrveranstaltungen an der UWK, dem universitären Partner der Kooperation.

„Ich liebe es zu lernen und an Herausforderungen zu wachsen“

Dass Wissenschaft nicht nur aus Erfolgsmomenten besteht, weiß Hellmann aus eigener Erfahrung: „In den ersten Monaten wollte einfach nichts funktionieren. Das war frustrierend – aber irgendwann hat sich der Knoten gelöst, und seitdem laufen die Experimente. Das war ein Schlüsselmoment.“
Ihre Motivation zieht sie aus der Neugier und dem Drang, Neues zu verstehen. „Ich liebe es zu lernen und an Herausforderungen zu wachsen. Wenn man eine Hypothese überprüft und die Daten etwas völlig Unerwartetes zeigen – das ist der Moment, der mich antreibt.“

Forschung mit Perspektive – und politischer Relevanz

Hellmanns PhD-Projekt ist Teil jener Kooperationen, die die wissenschaftliche Leistungsfähigkeit der Fachhochschulen sichtbar machen. „Esther Hellmann steht stellvertretend für viele unserer Nachwuchsforscher*innen“, betont Mag. Ulrike Prommer, Geschäftsführerin des IMC Krems und Präsidentin der Fachhochschul-Konferenz (FHK). „Sie arbeiten auf höchstem wissenschaftlichem Niveau und leisten wesentliche Beiträge zur biomedizinischen Grundlagenforschung. Es ist daher nur folgerichtig, dass Fachhochschulen / Hochschulen für Angewandte Wissenschaften künftig auch eigenständige Doktoratsprogramme anbieten dürfen.“

Über Esther Hellmann

Esther Hellmann, geboren 2001 in Braunau am Inn, absolvierte von 2019 bis 2022 das Bachelorstudium der Ernährungswissenschaften an der Universität Wien und schloss anschließend den Masterstudiengang Medical and Pharmaceutical Biotechnology am IMC Krems ab. Seit 2024 ist sie PhD-Studierende im Fachbereich Regenerative Medicine am IMC Krems in Kooperation mit der Universität für Weiterbildung Krems. In ihrer Forschung beschäftigt sie sich im Bereich der Neuroimmunologie mit der Funktion des Toll-like Rezeptors 10 (TLR10) in Mikrogliazellen.