Story
Vom Prozessdenken zum Unternehmertum

Wer mit Stefan Unfried spricht, merkt schnell: Hier denkt jemand nicht in Aufgaben, sondern in Zusammenhängen. Es geht ihm nie nur darum, dass etwas funktioniert, sondern warum es funktioniert. Und vor allem: Wie es besser gehen kann.
Diese Haltung zieht sich wie ein roter Faden durch seinen Werdegang. Was heute in seiner Rolle als Unternehmer im Bereich Kundenbeziehungen, CRM und Künstliche Intelligenz sichtbar wird, beginnt lange vor den ersten Führungsaufgaben – mit einer einfachen, aber entscheidenden Frage: Was steckt eigentlich hinter den Prozessen, die wir täglich nutzen?
Der Blick hinter die Abläufe
Seine Studienzeit am IMC Krems bildet dafür das Fundament. Mit dem Bachelor in Unternehmensführung und E-Business Management (jetzt: Unternehmensführung und Digitales Management) und dem Master in Digital Business Innovation and Transformation entscheidet sich Stefan bewusst für eine Kombination aus Wirtschaft und Technologie. Doch entscheidend ist weniger der Titel als das, was er daraus mitnimmt: ein systemisches Verständnis für Organisationen – und die Erkenntnis, dass Veränderung nur dann gelingt, wenn Menschen Teil davon sind.
Ein Auslandssemester in Schweden erweitert diese Perspektive früh. Es bringt nicht nur internationale Erfahrung, sondern auch ein Netzwerk, das bis heute trägt. Bei Airbus in Hamburg wird aus Theorie Praxis: In einem globalen Umfeld erlebt Stefan, wie komplex Organisationen sein können – und wie viel Gestaltungsspielraum gleichzeitig darin liegt.
Unternehmertum als Perspektivenwechsel
Der erste Impuls in Richtung Unternehmertum entsteht am IMC Krems selbst. Im Creative Pre-Incubator entwickelt Stefan mit seinem Team das Startup Centralize. Es ist der Moment, in dem aus Interesse konkrete Umsetzung wird. Programme wie die European Innovation Academy und das Silicon Valley Programm vertiefen diesen Zugang. Sie bringen ihn in direkten Austausch mit Gründerinnen und Gründer, Mentorinnen und Mentoren und internationalen Perspektiven – und zeigen ihm, dass Unternehmertum weniger ein abstrakter Begriff ist, sondern eine Entscheidung: Dinge selbst in die Hand zu nehmen.
Warum CRM mehr ist als Technologie
Sein weiterer Weg führt ihn in die Unternehmenspraxis – unter anderem zur ERBER Group. Dort übernimmt Stefan Schritt für Schritt Verantwortung in komplexen Projektstrukturen: von Salesforce-Administration bis zur technischen Leitung internationaler Rollouts. Es ist die Phase, in der sich sein Kernthema klar herausbildet: CRM. Allerdings nicht im klassischen Sinn.
Für Stefan ist CRM keine Softwarelösung. Es ist die zentrale Schnittstelle zwischen Unternehmen und Kundinnen und Kunden. Eine Frage der Gestaltung – nicht der Verwaltung: Wie erleben Menschen ein Unternehmen? Wo entstehen Reibungsverluste? Und wie lassen sich Prozesse so gestalten, dass daraus echte Interaktion wird?
Diese Perspektive prägt auch seine Arbeit als selbstständiger Berater und später bei Entero. Immer mit dem gleichen Anspruch: Technologie muss Wirkung entfalten – und zwar dort, wo Menschen damit arbeiten.
Der Schritt vom Berater zum Unternehmer
2022 folgt der konsequente nächste Schritt: Stefan Unfried wird Eigentümer und operativer Leiter von BLINKER.DIGITAL. Heute zählt das Unternehmen zu den führenden Playern im Bereich KI, CRM und Salesforce in Österreich. Gemeinsam mit seinem Team begleitet er Organisationen dabei, ihre Kundenbeziehungen neu zu denken – datenbasiert, KI-gestützt und konsequent vom Menschen ausgedacht.
„Customer Centricity“ ist für ihn kein Schlagwort, sondern ein Arbeitsprinzip. Jede Entscheidung wird daran gemessen, welchen Unterschied sie für die Menschen dahinter macht. Parallel engagiert er sich als Mentor und Lektor sowie als Mitgesellschafter der acolono GmbH. Auch hier bleibt sein Antrieb derselbe: Strukturen schaffen, die langfristig funktionieren.
Was bleibt: Neugier und Klarheit
Auf den ersten Blick wirkt Stefans Karriere stark technologisch geprägt. Tatsächlich sind es zwei andere Faktoren, die sie tragen: Neugier und Pragmatismus. Nicht alles neu erfinden, aber genau verstehen, was wirkt. Und darauf aufbauen.
Vielleicht ist es genau diese Kombination, die ihn heute zu einem gefragten Partner für Unternehmen macht: ein klarer Blick auf Prozesse, ein gutes Gespür für Menschen und die Fähigkeit, beides miteinander zu verbinden.
Was Stefan Unfried antreibt – ein Blick hinter die Kulissen
Was treibt Sie beruflich an?
Mich treibt die Neugier an – die Lust, Neues zu entdecken, sei es technologisch, prozessual oder inhaltlich. Gleichzeitig ist es mir wichtig, nicht nur Inhalte, sondern auch Menschen weiterzuentwickeln – mich selbst eingeschlossen. Ich möchte gestalten, nicht nur folgen. Das bedeutet auch, Wege zu gehen, die manchmal noch unklar oder unpopulär sind. Genau darin liegt für mich aber die Spannung. Was mich zusätzlich motiviert, ist die Vielfalt meiner Arbeit: Durch die Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Branchen und Herausforderungen gleicht kein Tag dem anderen. Lernen hört nie auf – und bei aller Ernsthaftigkeit sollte man nie den Spaß daran verlieren.
Wie haben Sie die beiden Studien am IMC Krems geprägt?
Mehr, als ich damals erwartet hätte. Das Studium hat mir nicht nur Fachwissen vermittelt, sondern vor allem ein Mindset: strukturiert an Herausforderungen heranzugehen, ohne sich davon überfordern zu lassen. Besonders prägend war für mich die Gemeinschaft. Das Netzwerk, das ich am IMC aufgebaut habe, ist bis heute aktiv – sowohl beruflich als auch privat.
Die breite betriebswirtschaftliche Ausbildung hat mir früh ein Verständnis für Unternehmen als Gesamtsystem gegeben – ein entscheidender Vorteil beim Aufbau eigener Strukturen. Der Master hat diesen Blick noch geschärft: mit der klaren Erkenntnis, dass der Mensch im Zentrum jeder Veränderung stehen muss.
Was ist Ihnen heute beruflich und privat wichtig?
Echte Balance – nicht theoretisch, sondern im Alltag gelebt. Das erfordert bewusste Entscheidungen. Beruflicher Erfolg ist wichtig, aber Zeit mit der Familie hat für mich immer Vorrang. Darüber hinaus gilt für mich: „Human first“. Gerade in Zeiten von KI und Digitalisierung ist es entscheidend, den Menschen im Fokus zu behalten.
Den Ausgleich finde ich in einfachen Dingen: Bewegung in der Natur, Fußball oder Zeit im Freien. Diese Momente helfen mir, Abstand zu gewinnen und neue Klarheit zu finden.
Gab es prägende Meilensteine in Ihrem Berufsleben?
Ja, drei stechen besonders hervor:
- Creative Pre-Incubator (CPI) am IMC Krems: Hier habe ich erstmals Unternehmertum aktiv erlebt und mein erstes Startup umgesetzt.
- ERBER Group: Die Verantwortung für einen internationalen Salesforce-Rollout mit rund 500 Usern war eine prägende Erfahrung und hat mir gezeigt, was Verantwortung in der Praxis bedeutet.
- BLINKER.DIGITAL: Der Schritt vom Berater zum Unternehmer – und der Aufbau eines der führenden Unternehmen in meinem Bereich.
Was würden Sie zukünftigen Studierenden des IMC Krems empfehlen?
- Einfach ausprobieren: Erfolg entsteht oft durch Wiederholung und den Mut, Dinge anzugehen.
- Ruhe bewahren: Ein klarer Kopf führt zu besseren Entscheidungen.
- Nicht allein gehen: Gute Zusammenarbeit und unterschiedliche Perspektiven sind entscheidend.
- Netzwerken: Gespräche helfen, Dinge einzuordnen und Hemmschwellen abzubauen.
- Empathie behalten: Zwischenmenschliche Kompetenz ist ein entscheidender Erfolgsfaktor.
Gibt es etwas aus Ihrem Privatleben, das Sie teilen möchten?
Ich bin in der Region verwurzelt – aufgewachsen in Getzersdorf und heute in Krems zu Hause. Die Kombination aus Arbeiten in Wien und Leben in Krems funktioniert für mich sehr gut.
Reisen ist mir wichtig, heute aber stärker geprägt von dem Wunsch nach echten Begegnungen als von möglichst vielen Stationen. Besonders in Erinnerung geblieben sind Reisen mit unseren kleinen Kindern, die viele besondere Momente ermöglicht haben.
Fußball ist eine große Leidenschaft – durch Groundhopping habe ich viele Länder und Stadien kennengelernt. Und wenn ich Ruhe brauche, zieht es mich in die Berge, am liebsten nach Osttirol.