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Pflegeschülerinnen und -schüler aus Vietnam: Anspruchsvolle Ausbildung

Bis 2030 braucht Niederösterreich rund 9.500 zusätzliche Pflegekräfte. Um dem Mangel entgegenzuwirken, setzt das Land auf Personal aus Vietnam. Die ersten 75 Pflegeschülerinnen und -schüler haben am IMC Krems ihre Ausbildung begonnen. noe.ORF.at hat zwei von ihnen begleitet.

Text von noe.ORF.at

Pflegeschülerinnen und -schüler aus Vietnam
Die ersten 75 Pflegeschülerinnen und -schüler haben am IMC Krems ihre Ausbildung begonnen.

Im Pflege- und Betreuungszentrum Gutenstein (Bezirk Wiener Neustadt) absolvieren aktuell zwei Pflegeschülerinnen aus Vietnam ihr Praktikum. Die 31-jährige Quynh Thu Nhu Pham und die 28-jährige Phuong Ahn Bui sind seit rund einem Monat in Gutenstein. Zu ihren Aufgaben gehört etwa das Blutdruckmessen bei Bewohnerinnen und Bewohnern – stets unter Anleitung und Aufsicht. Das Praktikum umfasst 450 Stunden. Auch Tätigkeiten wie der Verbandswechsel werden vorgenommen.
„Die Arbeit ist manchmal herausfordernd, aber ich lerne viel und bekomme gute Unterstützung von meinen Kollegen und meiner Chefin. Auch die Menschen, die hier wohnen, sind sehr freundlich zu mir und lustig“, sagte Pflegeschülerin Anh beim Besuch von noe.ORF.at Anfang der Woche.

Gute Vorbereitung, sprachliche Hürden

Bevor sie nach Österreich kamen, haben die Pflegeschülerinnen in Vietnam eineinhalb Jahre lang Deutsch gelernt – an der Universität Hanoi. Grundsätzlich seien Anh und Quynh sehr motiviert, zugänglich und gut ausgebildet, sagt Martin Steininger, interimistischer Leiter des Pflegeheims Gutenstein gegenüber noe.ORF.at.

Die Sprache stelle aber oft eine Herausforderung dar, vor allem wenn es um Dialekt geht: „Es gibt Stolpersteine wie die Kommunikation oder kulturelle Unterschiede. Aber durch die lange Vorbereitung und gute Betreuung zum Projekt werden diese gemeinsam bewältigt", sagt Steininger. Die Rückmeldungen der Bewohnerinnen und Bewohner fallen unterschiedlich aus, so der Direktor, aber primär seien die Bewohner den Kräften aus Vietnam positiv und oft unterstützend gesinnt.

„Puzzlestück“ gegen den Pflegenotstand

Das theoretische Rüstzeug erhalten die Pflegeschülerinnen und -schüler am IMC Krems. Die Hochschule ist zentraler Partner des Ausbildungsprojekts. Aktuell werden 75 Pflegekräfte aus Vietnam in Niederösterreich ausgebildet, 75 weitere sollen im kommenden Jahr folgen.

Die ÖVP hat das Projekt in der Landesregierung vor drei Jahren im Alleingang beschlossen – 4,2 Millionen Euro werden investiert. FPÖ und SPÖ haben dem Vorhaben damals nicht zugestimmt und viel Kritik daran geäußert.

Kritik, die Markus Golla, Leiter des Instituts für Pflegewissenschaft am IMC Krems, schwer nachvollziehen kann, wie er gegenüber noe.ORF.at betonte. Ohne Fachkräfte aus dem Ausland werde man die Versorgung von Pflegebedürftigen künftig nicht stemmen können – es gehe sich „rein rechnerisch nicht aus", so Golla: „Wir brauchen junge Menschen.“

Dafür gebe es zwei Ansätze: „Entweder jede Frau in Österreich bekommt sofort fünf Kinder – dann hätten wir das Problem in 18 Jahren gelöst – oder wir holen Menschen aus dem Ausland, die bereit sind, nach Österreich zu ziehen, und integrieren sie – anders geht es nicht“, meint Golla, der die Pflegekräfte aus Vietnam als „Puzzlestück“ für eine Lösung gegen den Pflegenotstand in Österreich betrachtet.

„Gute berufliche Perspektiven“ als Motivation

Ziel des Modells ist, dass möglichst viele der Auszubildenden nach Abschluss ihrer Ausbildung in Pflegeeinrichtungen in Niederösterreich arbeiten. Auf Nachfrage zeigen sich mehrere der Studierenden am IMC offen dafür – sie können sich gut vorstellen, langfristig zu bleiben und im Pflegebereich tätig zu sein.

„Ich möchte in Österreich bleiben, weil ich hier gute berufliche Perspektiven und vor allem das Gefühl habe, dass meine Arbeit hier wirklich geschätzt wird. Ich bekomme viel Unterstützung“, erzählt die 24-jährige Quynh Nguyen. „Es gibt hier so viele Unterschiede im Gegensatz zu Vietnam: die Kultur, die Regeln, das Klima – aber jetzt bin ich schon ein paar Monate da und konnte mich schon gut anpassen“, ergänzt der 23-jährige Quang Nguyen aus Hanoi.