Story

Pflege braucht Mut und Zukunft

Am Internationalen Tag der Pflege rücken wir jene Menschen in den Mittelpunkt, die Verantwortung übernehmen, Orientierung geben und die Pflege mit Kompetenz weiterentwickeln.

Michael Urschitz
Michael Urschitz, IMC-Absolvent und nebenberuflich Lehrender im Bachelor-Studiengang Gesundheits- und Krankenpflege, zeigt, wie akademische Exzellenz, Leadership und gelebte Professionalität die Zukunft der Pflege prägen können. Fotocredit: © Staschitz Julia

Einer von ihnen ist Michael Urschitz, unser Absolvent und nebenberuflich Lehrender im Bachelor-Studiengang Gesundheits- und Krankenpflege, der zeigt, wie akademische Exzellenz, Leadership und gelebte Professionalität die Zukunft der Pflege prägen können.

Gelebte Theorie und Praxis

Vom Hörsaal des IMC Krems in die Steuerungsräume der österreichischen Pflege: Michael Urschitz hat in wenigen Jahren gezeigt, wie sich klinische Erfahrung, akademische Tiefe und systemische Verantwortung zu einer Haltung formen, die die Pflege spürbar voranbringt. 

Sein Weg begann mit dem Diplom für Gesundheits- und Krankenpflege über die Sonderausbildung Intensiv- und Anästhesiepflege und reichte bis zum Master-Studiengang Advanced Nursing Practice am IMC Krems, der Pflegeexpertinnen und -experten auf erweiterte klinische und strategische Aufgaben vorbereitet. Genau diese Kombination – die Nähe zu den Patientinnen und Patienten sowie der Weitblick fürs System – prägt sein Handeln bis heute. 

In der Pandemie war seine Stimme unüberhörbar. Als Intensiv- und Anästhesiepfleger schilderte Michael dem Bundespräsidenten Alexander Van der Bellen in mehreren Telefonaten die Lage auf den Stationen – präzise, ruhig und ohne die Dramatik zu beschönigen. Dass das Staatsoberhaupt sich bei Entscheidungen immer wieder Rückhalt im Praxiswissen holte, zeigte auch nach außen, worauf es in Krisen ankommt: Expertise aus den Gesundheitsberufen, die Orientierung gibt. Diese Gespräche und öffentlichen Appelle dokumentieren eine Zeit, in der Pflegende die demokratische Öffentlichkeit maßgeblich informierten und trugen. 

Geteiltes Know-how für kritische Situationen

Parallel dazu wuchs Michael in Rollen, in denen Leadership nicht in Titeln, sondern in Wirkung messbar ist. Fundament dafür war unter anderem eine knapp zehn Jahre dauernde Berufsphase, in der er in verschiedenen Abteilungen als Mentor für Auszubildende und neue Mitarbeitende tätig war.

Als einer der leitenden Verantwortlichen des innerklinischen Notfallmanagements am Sanatorium Kettenbrücke verband er Struktur, Training und Einsatzroutine – und übersetzte Erfahrungen aus der Intensivmedizin in verlässliche Prozesse für kritische Momente. Dieses Wissen ließ er auch in das Training der Mitarbeitenden für kritische Situationen einfließen. Dass er diese Erfahrungen in der Branche teilte, etwa beim Pflege Management Forum in Wien, zeigt seine Überzeugung, dass Pflege nur im Austausch stärker wird. Dort sprach er über modernes Leadership, professionelle Arbeitsumfelder und die Verantwortung der Pflege, neue Wege aktiv mitzugestalten. 

Heute treibt er diesen Gestaltungsanspruch auf kommunaler Ebene weiter. Als erster Pflegekoordinator der Stadt Innsbruck – und seit 2025 als Leiter des Referats Pflegekoordination – baut er Brücken zwischen Pflegepraxis, Politik, Arbeitsmarkt und Bildung. Sein Auftrag ist ebenso klar wie komplex: Versorgungsstrukturen planen, Partnerinnen und Partner vernetzen, internationale Fachkräfte unterstützen und den Pflegearbeitsmarkt gezielt attraktiver machen. Die Stadt positionierte sich damit früh, um dem demografischen Wandel und dem Personalmangel strukturiert zu begegnen; die Arbeit mündete auch in die Pflegestrategie 2033, die Land und Stadt gemeinsam vorantreiben. 

Was ihn dabei antreibt, lässt sich aus seinem Profil gut ablesen: nachhaltige Versorgungsmodelle, die gesellschaftliche Veränderungen ernst nehmen; eine dialogorientierte Rolle an der Schnittstelle von politischer Steuerung und Institutionen; und der Anspruch, tragfähige Lösungen im gemeinsamen Austausch zu entwickeln. Politische Kommunikation und strategische Führung sind für ihn keine Distanz zur Pflege, sondern Werkzeuge, um Pflege näher an die Menschen zu bringen. 

Systemblick für die Ausbildung

Die Verbindung zum IMC Krems bleibt bewusst lebendig. Als nebenberuflich Lehrender bringt Michael einen umfassenden Systemblick in die Lehre ein und macht Studierenden erlebbar, dass die moderne Pflege und damit die Inhalte von IMC-Studiengängen mehr sind als ein Curriculum – nämlich eine Haltung, die Forschung, Ethik, klinische Entscheidung, Leadership und Verantwortung zur politischen Mitgestaltung miteinander verbindet. Wer seine Lehrveranstaltungen besucht, spürt, wie aus akademischen Konzepten praktische Kompetenz wird, die auf Station, in Projekten und in der Versorgungspolitik tragfähig ist. 

Seine Laufbahn zeigt, wie viel Gestaltungskraft in Pflege steckt, wenn Ausbildung, Praxis und Politik zusammenfinden. Und sie macht Mut: Pflege ist nicht nur Arbeit am Limit, sondern Raum für Innovation, Verantwortung und Wirkung – vorausgesetzt, Menschen wie Michael Urschitz gehen voran und nehmen andere mit.

Wir haben Michael Urschitz um ein paar Einblicke in seine Lehrtätigkeit gebeten:

Als Pflegekoordinator übersetzen Sie Pflege in Verwaltungs- und Politikprozesse. Welche Brücken kann die IMC Lehre noch stärker bauen, damit Absolventinnen und Absolventen sich an diesen Schnittstellen sicher bewegen? 

Ein zentraler Punkt ist, pflegepolitische und systemische Zusammenhänge früh in die Ausbildung zu integrieren. Pflege findet nicht isoliert statt, sondern ist stark von politischen Entscheidungen, gesetzlichen Rahmenbedingungen und Finanzierungssystemen geprägt. Ein grundlegendes Verständnis für Gesundheitspolitik, Governance-Strukturen und die Entwicklung von Entscheidungsprozessen ermöglicht es, fundiert an politischen Diskussionen oder Beratungsprozessen teilzunehmen.

Ebenso wichtig ist ein grundlegendes Verständnis über Finanzierungssysteme, Budgetlogiken und Steuerungsmechanismen im Gesundheitswesen. Das ist eine Grundvoraussetzung, um besser nachzuvollziehen, warum bestimmte Entscheidungen getroffen werden.

Welche Rolle spielen dabei interprofessionelle Kooperationen?

Ein weiterer wichtiger Baustein ist die gezielte Förderung von Netzwerken und intersektoraler Zusammenarbeit. Studierende sollten früh lernen, sich nicht nur innerhalb der Pflege, sondern auch mit Akteurinnen und Akteuren aus Verwaltung, Politik, Sozialbereich und kommunaler Planung zu vernetzen. Anstatt sich ausschließlich auf bestehende Herausforderungen zu konzentrieren, ist es wichtig zu vermitteln, dass Pflege eine starke Stimme im System haben kann, wenn sie sich proaktiv, konstruktiv und kompetent einbringt.

Was bringt das Pflegenden für den Berufsalltag?

Gerade deshalb lohnt sich diese Perspektive: Pflege ist einer der vielfältigsten und entwicklungsfähigsten Berufe überhaupt. Neben der klinischen Praxis eröffnen sich immer mehr Möglichkeiten in Bereichen wie Strategieentwicklung, Koordination, Politikberatung oder Versorgungsplanung. Eine Ausbildung, die diese Schnittstellen sichtbar macht und entsprechende Kompetenzen stärkt, kann Absolventinnen und Absolventen dazu befähigen, Pflege nicht nur auszuüben, sondern das System aktiv mitzugestalten.

Gesundheits- und Krankenpflege

Advanced Nursing Practice