Als Claudia Ziska im Herbst 2024 von ihrer Erkrankung erfuhr und 2026 öffentlich darüber sprach, war das kein PR-Schritt, sondern ein bewusstes Zeichen: für Sichtbarkeit, für Fakten – und für die vielen Menschen, die mit Myalgischer Enzephalomyelitis/Chronischem Fatigue-Syndrom (ME/CFS) leben und im Gesundheitssystem oft übersehen werden. Die Absolventin des Master-Studiums Management von Gesundheitsunternehmen am IMC Krems verbindet fachliches Know-how mit persönlicher Erfahrung – und setzt sich heute für strukturelle Verbesserungen in der Versorgung chronisch kranker Menschen ein.
Story
ME/CFS: Aufklärungsarbeit dringend erforderlich

Claudia schloss ihr Master-Studium 2024 erfolgreich ab. Während ihres Studiums war sie im Recruiting und Employer Branding tätig und absolvierte ein Auslandssemester in Seoul – bewusst weit weg, um neue Perspektiven und eine andere Kultur kennenzulernen. Heute nutzt sie dieses breite Erfahrungsfeld, um komplexe gesundheitspolitische Themen einzuordnen und sichtbar zu machen.
ME/CFS sichtbar machen – aus persönlicher Erfahrung
ME/CFS ist eine schwere, chronische neurologisch-immunologische Erkrankung, die häufig nach Infektionen auftritt. Typisch sind anhaltende tiefe Erschöpfung, die trotz Ruhe nicht erlischt, kognitive Einschränkungen und vor allem das Leitsymptom für ME, eine deutliche Verschlechterung der Symptome nach körperlicher oder geistiger Belastung (Post-Exertional Malaise). Die Erkrankung ist von der WHO als neurologische Krankheit anerkannt. In Österreich wird von rund 80.000 Betroffenen ausgegangen – bei einer Prävalenz von etwa 0,8 bis 1 Prozent.
Claudia Ziska ist selbst betroffen. Ihr Engagement ist deshalb eng mit ihrer eigenen Lebensrealität verbunden. Im Interview betont sie, dass sie sich vor allem aufgrund der fehlenden Versorgung, der mangelnden sozialen Absicherung und der unzureichenden medizinischen Kenntnisse über ME/CFS öffentlich zu Wort meldet. Besonders problematisch ist aus ihrer Sicht, dass es in Österreich noch immer keine spezialisierten Anlaufstellen gibt und viele Betroffene bei sozialmedizinischen Begutachtungen als arbeitsfähig eingestuft werden – trotz erheblicher Einschränkungen. Das bedeutet, dass sie keine Chance auf Pflegegeld oder Arbeitsunfähigkeitspension haben und damit in prekäre finanzielle Nöte geraten können.
„Es gibt faktisch keine flächendeckende Versorgung“, beschreibt sie. Zwar zeigen einzelne Entwicklungen – in Einzelfällen etwa besser geschulte Gutachter*innen – erste Fortschritte, doch der strukturelle Nachholbedarf bleibt groß.
Warum Aufklärung ein zentraler Hebel ist
Ein wichtiger Schritt in Claudias Engagement war ihr Auftritt in einem Beitrag von ORF Niederösterreich. Die Resonanz darauf hat ihr noch einmal deutlich gemacht, wie groß der Informationsbedarf in der Bevölkerung ist. „Man sieht an den Reaktionen, wie viel Aufklärungsarbeit noch notwendig ist“, sagt sie. Gleichzeitig möchte sie Studierende und Entscheidungsträgerinnen und -träger ermutigen, sich für Themen einzusetzen, die ihnen persönlich wichtig sind – gerade im Gesundheitsbereich, wo Betroffenheit und Systemlogik oft aufeinandertreffen.
Ihr Master-Studium habe sie dabei vor allem im Bereich der Stakeholder-Perspektive im Gesundheitswesen gestärkt. Das Verständnis dafür, wie unterschiedliche Akteure – von Patientinnen und Patienten über medizinisches Personal bis hin zu Versicherungen und Politik – zusammenwirken, sei entscheidend, um nachhaltige Verbesserungen zu erreichen.
Was Gesundheitsmanagement beitragen kann
Für Claudia liegt ein wichtiger Hebel in der Ausbildung der Gesundheitsberufe. Zwar gebe es bereits Physiotherapeutinnen und -therapeuten, die sich auf ME/CFS spezialisiert haben, doch insgesamt sei das Thema noch zu wenig in Curricula verankert – etwa in der Ergo- und Physiotherapie. Eine stärkere Verankerung chronischer, komplexer Erkrankungen in der Ausbildung könne dazu beitragen, das Krankheitsbild im multiprofessionellen Setting frühzeitig zu erkennen, Fehldiagnosen zu reduzieren und die Versorgung langfristig zu verbessern.
Ihr eigenes Profil zeigt, wie wichtig die Verbindung von Managementkompetenz, wissenschaftlichem Know-how und Patientenperspektive ist. Claudia Ziska steht für eine Generation von Gesundheitsmanagerinnen und -managern, die nicht nur Prozesse optimieren, sondern auch Verantwortung für jene übernehmen wollen, die im System oft zu wenig gehört werden.