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IMC Studie: Europas Lieferketten im Wandel?

Neue Publikation von Jan Grumiller zu nachhaltigen und resilienten Lieferketten in der EU am Beispiel von Medizinprodukten und Pharmazeutika

Im Kontext multipler Krisen – von der Klimakrise bis zur Geopolitik – gewinnt die Frage „wie wir produzieren“ an neuer Bedeutung. Spätestens mit der COVID-19-Krise wurden Schwachpunkte globalisierter Wertschöpfungsketten (Global Value Chains, GVCs) aufgezeigt. Allerdings: die Lieferengpässe für Arzneimittel finden sich in Österreich und der EU auch heute noch auf einem Rekordniveau. Gleichzeitig intensiviert sich die Klimakrise, und die ökologische Transformation wird zu einer dringlichen Notwendigkeit. 

Die neue IMC-Studie von Jan Grumiller beleuchtet, wie Europas Lieferketten im Bereich Medizinprodukte und Pharma angesichts multipler Krisen nachhaltiger und resilienter gestaltet werden können.

Strategien für die Lieferketten der Zukunft

Das es Veränderung braucht – da sind sich (fast) alle einig. Doch die konkrete Ausgestaltung der Umgestaltung der globalen Wertschöpfungsketten ist aktuell stark umkämpft. Dabei geht es vor allem um die Frage, wie Nachhaltigkeit, Resilienz und Effizienz in Lieferketten gewichtet werden sollen. Vor allem die Bedeutung der (Re-)Regionalisierung der Produktion sowie staatlicher Eingriffe ist umstritten.
In der neu im renommierten Fachjournal Geoforum veröffentlichten Publikation „State-driven resilient and environmentally sustainable GVCs? The case of medical products and pharmaceuticals in the EU“ identifizieren Jan Grumiller (Professor und Studiengangsleiter für Umwelt- und Nachhaltigkeitsmanagement am IMC Krems) und Christian Reiner (Senior Lecturer, Universität Wien) unterschiedliche Ansätze, wie globale Wertschöpfungsketten angesichts der multiplen Krisen aktuell neu gestaltet werden:

  • „Market-driven global Resilience“ – marktorientierte, globalisierte Strategien zur Stärkung von Resilienz von Lieferketten
  • „State-driven regional Resilience & Sustainability“ – staatlich stärker gelenkte und regional ausgerichtete Strategien mit Fokus auf Nachhaltigkeit und Resilienz

Die Autoren analysieren anhand von Fallstudien zu Medizinprodukten und Pharmazeutika das Spannungsfeld dieser zwei Ansätze in der EU. Während marktgetriebene Lösungsansätze lange Zeit den Policy-Diskurs bestimmten, versuchen staatliche Institutionen zunehmend, aktiv in die Strukturen globaler Wertschöpfungsketten einzugreifen. In den zwei Sektoren kommt es aufgrund der hohen Dichte an kritischen Produkten (d.h. Produkte, die in verschiedenen Krisen benötigt werden, z.B. Pandemien) sowie ihrer Bedeutung für einen nachhaltigen Gesundheitssektor zu einer „Renaissance staatlicher Industriepolitik“. Denn der Gesundheitssektor ist auch in Österreich für ca. 7% der Treibhausgasemissionen verantwortlich, wobei hier wiederum 38% auf Arzneimittel und Medizinprodukte entfallen. Diese Emissionen entstehen allerdings fast ausschließlich in den Lieferketten. Ein nachhaltiger Gesundheitssektor bedarf also einer Transformation der Produktion.

Vor diesem Hintergrund finden sich in den unterschiedlichen Räumen der EU vermehrt staatliche Eingriffe. Maßnahmen wie z.B. Subventionen für nachhaltige Arzneimittelproduktion, punktuelle Maßnahmen gegen Produktionsverlagerungen und der zunehmende Einsatz von Nachhaltigkeitskriterien in der öffentlichen Beschaffung dieser Produkte verdeutlichen diesen neuen Trend. 

Forschung mit Blick auf Versorgungssicherheit und Nachhaltigkeit

„Unsere Forschung zeigt, dass staatliche Institutionen in verschiedenen räumlichen Ebenen zunehmend Maßnahmen ergreifen, um die Nachhaltigkeit und Resilienz globaler Wertschöpfungsketten zu erhöhen“, so Grumiller. „Bei Fragen der Versorgungssicherheit, der Bewältigung der Klimakrise, aber auch vor dem Hintergrund der neuen Geopolitik kommt man an der Debatte um die Problemlagen der aktuellen Produktionsstrukturen eben nicht herum.“
Die Studie liefert wichtige Impulse für die europäische Wirtschafts- und Industriepolitik nach der COVID-19-Krise und unterstreicht die wachsende Bedeutung staatlicher Maßnahmen für eine nachhaltige und resiliente Gestaltung globaler Wertschöpfungsketten in der EU.

Publikation:

Grumiller, J. & Reiner, C. (2025). State-driven resilient and environmentally sustainable GVCs? The case of medical products and pharmaceuticals in the EU. Geoforum, Volume 166, 104407.

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