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Hitzewellen im familiären Pflegealltag: Steigende Temperaturen, steigende Herausforderungen

IMC Krems-Forschung unterstützt pflegende Angehörige und 24-Stunden-Betreuende

Die derzeitigen Hitzewellen zeigen eindrücklich, wie stark der Klimawandel bereits heute die Gesundheit belastet. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, chronisch Erkrankte und Pflegebedürftige. Aber auch diejenigen, die diese Menschen im Alltag unterstützen, sind Hitzeperioden körperlich und mental stärker ausgeliefert. Ein Forschungsprojekt des IMC Krems liefert nun konkrete Lösungsansätze, wie pflegende Angehörige und 24-Stunden-Betreuungskräfte besser auf diese Herausforderungen vorbereitet werden können.

Zentrales Ergebnis des Projekts: Gesundheitliche Auswirkung von Hitze als greifbarsten Effekt des Klimawandels sind pflegenden Angehörigen und 24-Stunden-Betreuenden bewusst, werden aber nicht konkret mit ihrem Pflegealltag in Verbindung gebracht. Digitale Tools, wie spezifisch dafür entwickelte Gesundheitsapps, können unter bestimmten Voraussetzungen hier sowohl die Pflegenden als auch die Zupflegenden schützen.
 

Jette Lange, Forscherin und Lehrende am IMC Krems, präsentiert die Ergebnisse des Forschungsprojekts zu den Auswirkungen von Hitzewellen auf pflegende Angehörige und 24-Stunden-Betreuungskräfte.

Praktisches Wissen gezielt stärken

35 Interviews mit pflegenden Angehörigen und 24-Std.-Betreuungspersonen sowie ein österreichweiter Survey mit 148 Teilnehmenden zeigen: Hitze wird von beiden Zielgruppen als größte klimabedingte Gesundheitsgefahr wahrgenommen. Andere Folgen des Klimawandels – etwa Luftverschmutzung, Infektionskrankheiten oder psychische Belastungen – werden hingegen deutlich seltener mit Gesundheitsproblemen in Verbindung gebracht. Gleichzeitig fällt es vielen Befragten schwer, die Qualität digitaler Gesundheitsinformationen einzuschätzen und daraus konkrete Maßnahmen abzuleiten. Mögliche Präventionsmaßnahmen für den pflegerischen Alltag zu Hause wären die Umstellung der Ernährung auf Sommerkost, Vorbereitung von Kühlmaßnahmen, wie das Bereitstellen kalter Suppen, kühlender Getränke und adäquater Kleidung sowie die strukturelle Anpassung der Wohnsituation (Verdunklung bzw. Folierung von Fenstern, Aufstellen von Pflanzen, Vorbereiten von Eiswürfeln). Aber es gibt einen Awareness Gap: Trotz des Wissens um gesundheitliche Gefahren von Hitze werden diese Präventionsmaßnahmen nicht ergriffen, sondern erst während Hitzewellen situativ reagiert.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass pflegende Angehörige und Betreuungskräfte bereits viele richtige Maßnahmen setzen. Was häufig fehlt, ist die Einordnung dieses Wissens in einen größeren Zusammenhang zwischen Klimawandel und Gesundheit. Genau hier setzen wir an: Wir möchten wissenschaftliche Erkenntnisse so aufbereiten, dass sie unmittelbar im Pflegealltag unterstützen und Orientierung bieten – insbesondere in Zeiten zunehmender Hitzewellen", sagt Projektleiterin Prof.(FH) Jette Lange, PhD vom IMC Krems.

Aktuelle Hitzewelle unterstreicht Forschungsbedarf

Im Projekt „Klimawandel und Gesundheit im Kontext der Laienpflege" entwickelte ein interdisziplinäres Forschungsteam gemeinsam mit pflegenden Angehörigen und 24-Stunden-Betreuungskräften eine digitale Anwendung für den Pflegealltag. Die App informiert unter anderem über ausreichende Flüssigkeitszufuhr, Ernährung an heißen Tagen, Personen- und Raumkühlung, Schlaf bei Hitze sowie das Erkennen eines Hitzeschlags. Videos, Quizze und Push-Benachrichtigungen unterstützen die Umsetzung im Alltag. Um möglichst viele Betreuungskräfte zu erreichen, stehen die Inhalte in mehreren Sprachen zur Verfügung.
Allerdings muss die App auch proaktiv auf das Handy geladen werden, damit sie gesundheitsfördernd wirken kann. Dafür muss einerseits das Bewusstsein für präventives Hitzeverhalten geschaffen werden, damit die App überhaupt als relevant verstanden wird und sie muss vor allem einfach, vertrauenswürdig, gleichzeitig aber auch spielerisch und alltagsnah gestaltet sein müssen. Gerade für die Zielgruppe der 24-Std.-Betreuungen müssen die Inhalte in deren Muttersprache gestaltet werden. Für eine bestmögliche Verbreitung und Wirkung solcher digitaler Informationen sollten diese in bereits etablierte Anwendungen – etwa Wetter- oder Warn-Apps – integriert werden und Menschen genau dann erreichen, wenn Hitzewellen bevorstehen.

Folgeprojekt setzt auf die Förderung von klimaresilientem Verhalten

Die Erkenntnisse fließen nun in das Nachfolgeprojekt „KreTra – (klima)resiliente Transformation in der informellen Pflege“ ein. Gemeinsam mit der ÖSB Consulting GmbH und Resilienz Consult entwickelt das Forschungsteam Strategien, um das Bewusstsein für klimabedingte Gesundheitsrisiken zu stärken und Präventionsmaßnahmen bereits vor Hitzewellen in den Pflegealltag zu integrieren. Hierbei wird mit Klimaregionen zusammengearbeitet und Möglichkeiten entwickelt, wie pflegende Angehörige und 24-Stunden-Betreuungen bestmöglich innerhalb bereits bestehender Klima- und Gesundheitsprojekte gezielt angesprochen und informiert werden können.

Das Projekt „Klimawandel und Gesundheit im Kontext der Laienpflege" lief von August 2023 bis März 2026 und wurde von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) gefördert. Projektleiter war die ÖSB Consulting GmbH. Für die App-Entwicklung war peopleX als Tochterunternehmen der ÖSB-Gruppe zuständig. Die Pflegegruppe sowie die IG Pflege unterstützten tatkräftig die Einbindung dieser schwer erreichbaren Zielgruppen und trugen so maßgeblich zum Projekterfolg bei.