Geschäftsgeheimnisse stellen für Unternehmen eine strategische Ressource dar, die es ermöglicht, sich Wettbewerbsvorteile zu verschaffen. Gerade in einer zunehmend vernetzten und wettbewerbsintensiven Wirtschaft wird der Schutz von Know-how daher immer wichtiger. Gleichzeitig stehen viele Unternehmen vor der Herausforderung, Geschäftsgeheimnisse systematisch zu erfassen, angemessen zu schützen und organisatorisch zu managen. Eine Masterarbeit im Studiengang Management am IMC Krems zeigt, wie praxisnahe Hochschulforschung hier konkrete Antworten liefern kann.
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Geschäftsgeheimnisse im Fokus: Wenn Know-how zum Wettbewerbsvorteil wird

AT&S setzt auf angewandte Forschung
Mit dieser Herausforderung wandte sich der Leobener High-Tech-Konzern AT&S, ein Hidden Champion mit rund 13.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, an das IMC Krems. Im Rahmen ihrer Masterarbeit analysierte Hannah Gugganig, Absolventin des Studiengangs Management, das Geschäftsgeheimnismanagement des international tätigen Unternehmens.
Die Arbeit kombinierte wissenschaftliche Literaturrecherche mit der Analyse von Unternehmensdokumenten, Workshops und Interviews mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie internationalen Expertinnen und Experten. Dabei wurden Schwachstellen und Verbesserungspotenziale identifiziert und konkrete Handlungsempfehlungen für die Praxis abgeleitet.
„Gerade weil das Thema Geschäftsgeheimnisse für die Praxis derzeit sehr relevant, gleichzeitig aber noch wenig erforscht ist, hatte für mich die Zusammenarbeit mit AT&S im Rahmen der Masterarbeit einen großen Mehrwert“, erklärt Hannah Gugganig. „So konnte das aus der Literatur gewonnene Wissen direkt in die Praxis umgesetzt und mit realen Beispielen verknüpft werden.“
Das Thema ist auch wissenschaftlich von hoher Relevanz. Geschäftsgeheimnisse werden am IMC bereits seit mehreren Jahren, unter anderem im Rahmen von EU-Projekten, aus wirtschaftlich-ökonomischer Perspektive erforscht. Nicht jede vertrauliche Information ist automatisch ein Geschäftsgeheimnis. Zugleich kann dessen Schutz für international tätige Unternehmen entscheidend sein: Globaler Wettbewerbsdruck und der Zugang zu internationalen Märkten erhöhen die Gefahr, dass wertvolles Know-how offengelegt oder gezielt ausgespäht wird.
Wenn alle zuständig sind, ist niemand verantwortlich
Eine zentrale Herausforderung zeigt sich bei der organisatorischen Zuständigkeit. Geschäftsgeheimnisse umfassen deutlich mehr als jene technischen Aspekte, die beispielsweise über Patente geschützt werden können. Ihr Schutz betrifft zahlreiche Unternehmensbereiche – von Forschung und Entwicklung über Human Resources und IT bis hin zu Werksschutz, Patent- und Rechtsabteilung.
„Diese Masterarbeit zeigt exemplarisch, was angewandte Hochschulforschung leisten kann: Eine konkrete Herausforderung aus der Unternehmenspraxis wird wissenschaftlich untersucht und in umsetzbare Handlungsempfehlungen übersetzt. Gleichzeitig entsteht neues Wissen, das auch für die Forschung relevant ist“, so Studiengangsleiter Prof. (FH) Dr. Alfred Radauer.
Gerade weil viele Abteilungen Aspekte des Geschäftsgeheimnisschutzes mitdenken müssen, besteht die Gefahr, dass sich letztlich niemand explizit verantwortlich fühlt. Dies wird dadurch verstärkt, dass es im Gegensatz zum Patentschutz oder zu anderen Formen des geistigen Eigentums keine eindeutigen Richtlinien und Vorgaben dazu gibt, wie Geschäftsgeheimnisse zu schützen sind. Die Masterarbeit griff diese Schnittstellen auf und diskutierte sie gemeinsam mit AT&S.
Von der Masterarbeit zur internationalen Fachwelt
Der Nutzen der Arbeit reicht damit über das konkrete Unternehmensprojekt hinaus. AT&S erhielt wertvolle Impulse für die Weiterentwicklung seines Geschäftsgeheimnismanagements. Gleichzeitig liefert die Studie einen Beitrag zur noch jungen wissenschaftlichen Diskussion über die optimale Organisation des Schutzes von Geschäftsgeheimnissen.
Auch international stieß die Arbeit auf Interesse: Im Juni 2026 wurde sie auf der R&D Management Conference an der Universität Manchester erfolgreich präsentiert.
„Besonders wertvoll waren auch die Interviews mit anerkannten Expertinnen und Experten auf diesem Gebiet, die interessante Einblicke und konkrete Fälle aus ihrem beruflichen Alltag teilten. Dadurch konnten die Handlungsempfehlungen für AT&S noch praxisnäher gestaltet werden“, so Gugganig.
Auch persönlich nahm sie aus der Arbeit neue Perspektiven mit: „Die Möglichkeit, mich intensiv mit einem für die Praxis relevanten Thema auseinanderzusetzen und gleichzeitig Einblicke in unterschiedliche Sichtweisen und Erfahrungen zu gewinnen, hat die Arbeit für mich besonders bereichernd gemacht – und gezeigt, wie wertvoll die Verbindung von wissenschaftlichem Arbeiten und praktischer Anwendung sein kann.“


